Konzerte & Party

TJ Eckleberg im Antje Öklesund

TJ Eckleberg

tip Dein Pseudonym ist dem Roman „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald entlehnt.
TJ Eckleberg Ja, es handelt sich um eine in die Jahre gekommene Werbetafel für einen Optiker. Zwei riesige, leere Augen blicken in ein industrielles Niemandsland. Fitzgerald benutzt dies als eine Metapher. Manchmal sind es „Gottes Augen“ und dann wiederum „lediglich eine Werbebotschaft“. Als ich in den 20ern war, ging meine Band auseinander und ich entschloss mich, dieses Pseudonym zu benutzen, um etwas Neues zu beginnen. Das Projekt und dessen Songs wurden gut angenommen und irgendwann war ich dann eben TJ. Um auf das Buch zurückzukommen: Es schwingt für mich noch immer etwas daraus mit. Die Motive, wie das ewige Sehnen, erinnern mich von der Stimmung sogar an Berlin.

tip Wie wirkt denn die Stadt auf Dich?
TJ Eckleberg Als ich das erste Mal nach Berlin kam, das war vor zwei Jahren, fuhr ich nur durch. Es war im Winter. Der Schnee und die Kälte, als deren Echo nur Stille nachhallte, überraschten mich. Ich begann ein neues Album zu schreiben, das ich derzeit beende. Die spezielle Stimmung der Stadt nahm mich so sehr ein, dass ich beschloss, hier mehr Zeit zu verbringen.

tip Und was würdest Du – fernab aller Klischees – als typisch australisch bezeichnen?
TJ Eckleberg Natürlich die große, offene Weite. Das trockene Land, die Isolation und die riesigen Distanzen zwischen den Ortschaften. Mag sein, dass dies dafür verantwortlich ist, dass die Menschen relativ offen sind. Man begegnet einander mit weniger Vorurteilen als in Europa.

tip Das aktuelle Album „West & Lime“ klingt wie eine Mischung aus geerdeten, bluesgetränktem Rock und modernem Indierock auf der anderen Seite – ein sehr komplexer Klangkosmos.
TJ Eckleberg Ja, das stimmt. Besonders Plattenfirmen tun sich damit schwer, die gerne alles mit Begriffen etikettieren, die bereits zu einer Zeit existierten, als ich selbst noch aufwuchs. Musik hat etwas mit Konversation zu tun, und die geht bei mir von Bruce Springsteen bis zu den Killers, von Jack White zu Curtis Mayfield, den Pixies zu Arcade Fire. Es schöpft sich aus einer reichen Tradition, und die hat nichts damit zu tun, möglichst viele Platten zu verkaufen.

tip Du hast das Album in Australien aufgenommen?
TJ Eckleberg  Genau. Das meiste davon ist im Megaphon in Sydney aufgenommen, einem der letzten tollen Studios dort. Midnight Oil, Front End Loader und The Cruel Sea waren dort auch zu Gange. Das Mastering erledigte mein guter Freund William Bowden, der auch Gotje gemischt hat. Er hat „goldene Ohren“. Es war eine Freude, mit analogen Geräten in diesem klassischen Studio aufzunehmen. Die Gelegenheit erhält man heutzutage leider nur noch selten.

tip Neben der Musik arbeitest aber auch als Theaterregisseur.
TJ Eckleberg Ich habe gerade in Australien mit Aborigines ein Stück gemacht und davor war ich in der Südsee, wo ich mit Matsuris arbeitete. Das Theater ist definitiv Teil meines Lebens, aber der Hauptfokus liegt auf der Musik. Da komme ich auch her.

tip Du hast Dich entschlossen, Dein Album für lau als Download anzubieten. Die A&Rs der Plattenfirmen hätten dies vor kurzem noch als kommerziellen Suizid deklariert.
TJ Eckleberg Glaubst Du, diese A&Rs haben noch ihre Jobs? Es verändert sich doch so viel. Klar, darüber können sich die Ökonomen den Kopf zerbrechen. Als Künstler ist es Gift, kommerziell zu denken. Das Geschenk des Internets ermöglicht eine einzigartige Chance der Kommunikation, ganz gleich was A&Rs denken. Die Möglichkeit des freien Downloadens ermöglicht eine – nennen wir es „Geschenkkultur“ – die mir den Kopf frei macht, mich völlig auf die Musik zu konzentrieren. Es verändert auch den Diskurs darüber. Niemand erwartet mehr, dass ich so darüber rede, als müsste ich sie verkaufen. Ich bin Musiker, kein Vertreter. Natürlich bin ich bemüht, die Songs so gut wie möglich zu machen und ich freue mich, wenn dies die Menschen goutieren. Aber letztlich ist es ohne Konsequenz im kommerziellen Sinne.

Interview: Ronald Klein

Foto: Katrina James

TJ Eckleberg, Antje Öklesund, Fr 30.11., 20 Uhr

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