Kommentar

„Tofutechno“ von Stefan Hochgesand

Heiliger Hipster, ich fürchte, Jens Spahn kriegt das Kotzen: Vom 15. bis zum 17. September steigt das „1st Veggie Vegan Street-Food Music OpenAir Festival 2017“. Techno auf Tofu

Stefan Hochgesand

Der Ort steht noch in den Sternen, wird spontan bekanntgegeben. Diese Hipster mal wieder! Erst wollen sie keine Tiere mehr schlachten für leitkulturige Buletten auf ihren Stampftaktmusikfestchen, und dann reden sie auch noch in dieser Sprache von den Beatles – und Spahn versteht nur Spahnisch. Das Gegenteil von hip ist sicher das Lieblingslied der Bundeskanzlerin (kein Scherz): „Unser Schiff gleitet stolz durch die schäumenden Wellen / Es strafft der Wind unsre Segel mit Macht. / Seht ihr hoch droben die Fahne sich wenden, die blutrote Fahne, ihr Seeleut habt acht!“ Joa, das dürfte auch Herr Spahn von der CDU schön heimelig finden.
„No animals were harmed in the making“ heißt es im Abspann von Filmen oft. In der Sprache der denkenden Dichter hieße dies freilich: Getier erlitt im Schöpfakt des Kunstwerks keine Harm. Zu gern würde man das ja auch von jeglicher Musik behaupten, aber die Opfer der Musik bestehen nicht bloß aus Beat-Steaks und abgebissenen Fledermausköpfen. Man kennt die Frage von Curry 36 wie vom Harfenhändler: „Mit oder ohne Darm?“ Ja, richtig gehört. Lecker. Die bestklingenden Harfensaiten sind nämlich nicht aus Nylon oder Flourcarbon gemacht, sondern aus Tier-Verdauungstrakt. Joa, so geht das. Gewissensfrage: Darf man als Veggie-Hipster die hippe Harfenistin Joanna Newsom hören?

Mehr über Cookies erfahren