Platten im Test

Alben der Woche: Kylie kann’s wie keine zweite, Junglepussy rappt sexpositiv

Dieses Lockdown-Wochenende steht ihr mit unseren drei Alben der Woche durch: Ihr tanzt mit Kylie Minogue Disco im imaginären Wohnzimmer-Studio-54. Danach geht’s zur (natürlich ebenso intensiv imaginierten!) sexpositiven Party mit der Rapperin Junglepussy. Honig fließt hier garantiert. Und um schließlich die Stunden zwischen Dance und Couch ausklingen zu lassen – dafür gibt’s Pale Honey (noch mal Honig!) aus Schweden. Drei Platten braucht ihr diese Woche nur. Aber die knallen.


Kylie Minogue: „Disco“ (BMG)

Disco-Pop Es steht rauf, was drin steckt: Disco. Disco scheint wieder das Ding der Stunde zu sein, trotz, nein, gerade im Corona-Jahr. Von Jessie Ware bis Róisín Murphy. Doch während Murphy Richtung Art-House schielt, ist Kylie freilich durch und durch Popstar. Es groovt so geil organisch, anti-technoid, dass man mit Kylie im Studio 54 für eine Viertelstunde famous sein will, von Streichern flankiert. Kylie, we just can’t get you out of our heads! Magisch. (Stefan Hochgesand)



Junglepussy: „Jp4“ (Jagjaguwar/Cargo)

Hip Hop Ein Comeback, mit dem ich nie gerechnet hätte, ist ja das des Nu Metals à la Limp Bizkit und Konsorten. Aber im Jahre 2020 sollte uns nun wirklich nichts mehr wundern – und so auch nicht die Rückkehr dieses totgeglaubten Zombies, als nur so halb-ironisches Zitat. Neuestes Beispiel: die New Yorkerin Junglepussy aka Shayna McHayle, eine der mit Abstand einfallsreichsten und lustigsten jungen Rapper*innen ihrer Generation. So richtig offensichtlich wird das auf dem Intro ihres nunmehr vierten Albums, ganz understated “Jp4” genannt – Fred Durst von Limp Bizkit wäre stolz!

Aber wo Nu Metal alte Genderklischees reproduzierte, bleibt Junglepussy ihren selbstbewussten sex-positiven Lines treu. Und keine Sorge, die Sache mit dem Nu Metal winkt auf dem Rest des Albums nur noch aus der Ferne (ganz fern zum Beispiel bei dem großartigen “What You Want”) und macht Platz für mehr Triphop-inspirierte, entspannte Beats, über die McHayle ihre Stimme mal wie schweren Honig fließen lässt (zum Beispiel auf “Out My Window” feat. Ian Isiah), mal singt, mal in altbekannter Manier Punchlines verteilt wie Bonbons beim Kölner Karneval (wie auf “Morning Rock”). Ist “Jp4″ das beste Hiphop-Album des Jahres? Nein. Aber Junglepussy steckt die Mehrheit ihrer weit bekannteren männlichen Kollegen locker in die Tasche – und liefert mit mit „Jp4“ den perfekten Aufheller für graue Shutdown-Tage. (Aida Baghernejad)


Pale Honey: „Some Time, Alone“ (Bolero Recordings)

Alben der Woche: Pale Honey – Some Time, Alone

Die Schweden wissen ja bekanntlich, wie man große Melodien zaubert, die zum Tanzen verführen. Aber die beiden Damen von Pale Honey, also Tuva Lodmark (Gitarre und Gesang) und Nelly Daltrey (Schlagzeug), können mehr: Sie sind großer Lorde-hafter Pop, aber mit edgy Punk-Attitüde, die an Sleater-Kinney, PJ Harvey und auch Chai erinnert. Einige Tracks sind was zum Schlittern auf Glassplittern im Keller, andere für die schwermütigen Couch-Stunden danach. (Stefan Hochgesand)


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