Tonträger

Beyoncé: „Beyoncé“

Aber ausgerechnet Beyoncé Giselle Knowles-Carter verabschiedet sich nach zwei routinierten Longplayern von ihrem eingefahrenen Stil, und das mit seltener Konsequenz. Sie hat „Beyoncé“ (Parkwood/Columbia/Sony Music) von heute auf morgen ohne Vorankündigung veröffentlicht. Unmittelbar vor Weihnachten auch noch. Zu einer Zeit, in der man von Paukenschlägen dieser Art Abstand nimmt und alle Jahres­bestenlisten schon geschrieben sind.

Die Texanerin interessiert sich offenkundig nicht dafür, was am Ende auf der Einnahme­seite steht. Sie will nicht noch höher hinaus, sondern einfach nur frei von allen Zwängen sein. Sie arbeitet dabei hauptsächlich mit dem bislang nicht groß aufgefallenen Produzenten Boots zusammen, der die Sängerin in „Haunted“ durch düstere Dubstep-Gefilde geleitet. Das tut er nicht so überzogen, wie es bei einem Skrillex der Fall wäre. Er geht vorsichtig und mit minimalen Mitteln vor. Für „Blow“ übernimmt Pharrell Williams die federführende Rolle. Er ist offenbar immer noch von Daft Punks Disco-Drive geflasht und sorgt für den glasklarsten Hit-Kandidaten des Albums. Auffällig ist auch „Yoncé/Partition“, weil es Beyoncé hier gelingt, die Verbal­akrobatik einer M.I.A. ohne Peinlichkeiten zu adaptieren.

Man muss es der 32-Jährigen hoch anrechnen, dass sie sich auch um ein Leitthema bemüht hat. In „Flawless“ flammt wieder das Feuer für den Feminismus auf, das man noch aus den Tagen von „Independent Women“ kennt. Dieses Mal appelliert Chimamanda Ngozi Adichie im Namen der Sängerin an das Selbstbewusstsein der Frau. Ob die nigerianische Schriftstellerin damit einverstanden ist, dass in „Blue“ eine Zweijährige ihren ersten öffentlichen Auftritt hat, darf allerdings bezweifelt werden. Das ist aber auch das Einzige, was es an diesem Album auszusetzen gibt.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Beyoncé „Beyoncé“ (Parkwood/Columbia/Sony Music)

Mehr über Cookies erfahren