Tonträger

Black Mountain

Black Mountain by Jessica Miller

Ihr aktuelles Album heißt „In The Future“. Ein irritierender Titel, denn in der Zukunft, wie Black Mountain sie sehen, funktioniert alles über die Vergangenheit. Nichts liebt das kanadische Quintett so sehr wie Rockklassiker aus der ersten Hälfte der 70er.


Herausragend ist es schon allein, wie die Band ihren Song „Bright Lights“ zu einem Opus von majestätischer Größe ausweitet, das erst nach 17 Minuten endet. Erst deutet sich ein Hexentanz nach Art von Siouxsies dämonischer Afro-Phase an, ehe es zum kurzen Heavy-Rock-Aufbegehren kommt, das schließlich von einer langen Sйance abgelöst wird, in der praktisch nur eine Jon-Lord-Orgel eine Rolle spielt.

Aha, denkt man da: Prog-Rocker, wie sie im Buche stehen! Das stimmt nur bedingt. Black Mountain lassen es nicht nur ausufern. Manchmal machen sie es sich auch an einem idyllischen Folk-Plätzchen gemütlich, dann erinnern sie mehr an ihren großen Landsmann Neil Young.


Daheim in Vancouver sind vier der fünf Mitglieder der Band tagsüber als Mitarbeiter in einer psychiatrischen Einrichtung tätig. Wer in so einem belastenden Umfeld arbeitet, braucht natürlich einen starken Ausgleich. Anführer Stephen McBean und seine Helfer finden ihn in gleich mehreren Bands, zu denen Blood Meridian, Lightning Dust oder Pink Mountaintops gehören.

Mit Black Mountain meinen sie es jetzt aber ernst, das hört man. „In The Future“ ist eines der besten harten Rockalben des laufenden Jahrzehnts.

Text: Thomas Weiland

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