Konzerte & Party

Jungle präsentieren ihr selbstbetiteltes Debüt

JungleÄußerlich betrachtet macht das Album keinen einladenden Eindruck. Was hat man sich bloß bei der komplett schwarzen CD-Hülle gedacht? Von diesem spartanischen Erscheinungsbild sollte man sich aber nicht irritieren lassen. Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland spielen nicht wie auf einer Beerdigung auf und adaptieren auch nicht den Drum’n’Bass-Vorläufer, der Jungle hieß. Es gehört einfach zu ihrer Art, sich nicht verzweifelt in den Vordergrund zu drängen. Der Fokus möge auf der Musik liegen.
Dieses Debüt ist ein besonderes, weil man keine Spur von hitzigem Temperament ­entdeckt. Jungle lieben entspannte Midtempo-Grooves über alles, bevorzugen unauf­­­ge­regten Gesang und manchmal auch Natur­­­­geräusche, mit denen sie die Atmosphäre eines Ausflugs nachempfinden. Im Video zu „The Heat“ sieht man zwei Männer, die einen schicken blattgrünen Adidas-Trainingsanzug tragen und sich auf Rollschuhen perfekt und geschmeidig zum Rhythmus im Song bewegen. Ein Hinweis! Denn um das Jahr 1980 herum gab es einen Roller-Disco-Trend und Musik, zu der man gut seine Runden drehen konnte. Wenn man Lloyd-Watson und McFarland zuhört, hört man sofort einen Bezug zu dieser Zeit. Man entdeckt vom Vibe her Parallelen zu Michael Jacksons „Rock With You“, zur Brit-Funk-Band Linx oder wegen der Schwerelosigkeit zum Duo A.R. Kane.
Und dann wäre da noch der Hang zur Reduktion im Klangbild. Durch ihn entsteht Nähe zu aktuellen Vertretern des brüchigen, elektronischen Soul, zu Sohn, Chet Faker oder The Acid. Jungle lassen im Vergleich zu diesen Leuten aber nie den Groove zu kurz kommen, haben keine Probleme mit Eingängigkeit und achten stets auf die nötige Wärme. Damit sind sie in diesem Sommer unschlagbar.       

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Jungle: Jungle (XL / Indigo)

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