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Maria Taylor: Something About Knowing

SomethingAboutKnowingWuuuuuusch! Eine kristallklare, makellose Stimme schwebt da auf fein-ziselierten Folkklängen; etwas Gitarrenpicking, ein paar Tablas, ein dezentes Xylophon. Gibt es solche Musik heute überhaupt noch? Karen Carpenter ist doch schon tot?! Und wenn sie doch wiederauferstanden sein sollte, wie konnte es ihr bloß gelingen, sich des dubiosen Easylistening-Umfeldes und ihres Bruders zu entledigen und stattdessen brillanten Folk und Softrock zu spielen? Aber nein, es ist wirklich so, Carpenter starb vor 30 Jahren. Diese wundervoll zarte Stimme gehört Maria Taylor, ehemals Azure Ray, die mit ihrem vierten Solo-Album eine kristallhelle, dem Leben zugewandte Platte eingespielt hat.

Und damit war eigentlich nicht zu rechnen. Sicher, ihre Alben waren gut, feiner Folk, aber doch immer etwas spröde. Auf „Something About Knowing“ (Saddle Creek / Cargo) werden wir nun Zeugen einer Entpuppung: Dem Indie-Pop folgte Folk und folgt nun Dream-Folk. Die Frau aus dem Bright-Eyes- und Conor-Oberst-Umfeld wirft alle überflüssigen Vorbehalte gegen Schönklang über Bord und verzichtet auf vermeintliche Singer/Songwriter-Regularien. Wir haben uns ja daran gewöhnt, den Poeten beim Leiden zuzuhören.

Aber Maria Taylor geht es gut. Früher, so sagt sie, schrieb sie nur, wenn sie traurig und depressiv war. Zum ersten Mal sei das nun nicht mehr so. „I got you / I got me / I hear the sweetest voice calling mommy / I got my old 5-string / I got everything“ – alles prima. Und was haben wir davon? Ihre Zufriedenheit, ihr Glück, ihre Liebe, strahlen direkt auf den Hörer ab. Wie wärmender Sonnenschein. Wie ein Ausflug mit Freunden zum Strand. Wie etwas, das man zwischen dem üblichen Promogeratter und Promogeschnatter eigentlich kaum noch zu hören bekommt.

Text: Hagen Liebing  

tip-Bewertung: Herausragend

 

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