Tonträger

Nick Cave & The Bad Seeds: Push the Sky Away

Nick Cave & The Bad Seeds, Push the Sky AwayEr geht es ruhig an. Fast friedlich. Nichts ist zu spüren vom Rumoren, das Cave auf „Dig, Lazarus, Dig!!!“ und mit Grinderman so furios entfacht hat. In „We No Who U R“ singt er andächtig, praktisch nur von einem Loop und einer zarten Orgel begleitet. Der Australier will sich jetzt in Nachtballaden suhlen, die man aus seiner eigenen Vergangenheit („Nocturama“) oder von Leonard Cohen kennt. Man sollte dieses Album also nicht auf dem iPod in der S-Bahn im Berufsverkehr hören. Erst wenn es dunkel ist und man ungestört lauschen kann, wirken die Details dieser Fein­arbeit. Geschmackvoll arrangierte Streicher oder liebkosende Frauenstimmen etwa. Die vielen kleinen Klangtricks von Warren Ellis. Seinen ältesten Mitstreiter Mick Harvey hat Cave verloren, aber dafür ist Barry Adamson zurück, der sich mit seinem drahtigen Bass bemerkbar macht.
Auf diabolische Energie muss man keinesfalls verzichten.
Sie entfaltet sich besonders in den beiden längeren Stücken auf „Push the Sky Away“. Mit einem gespenstisch-makabren Plot spricht sich Cave in „Jubilee Street“ vom Tod einer Geliebten frei. In „Higgs Boson Blues“ begleitet man den Sänger auf einer imaginären Reise nach Genf, wo er dem Tanz der Elementarteilchen im Großen Hadronen-Speicherring beiwohnen will. Ihm wird heiß bei dem Gedanken, die Ereignisse überstürzen sich. Blues-Legende Robert Johnson trifft auf Luzifer, Hannah Montana verfolgt ein Ritual afrikanischer Zulus während der Regenzeit und an sein eigenes Begräbnis mit gelben Lederschuhen denkt er auch. In diesem Fieberrausch steckt eine Komik, die Cave zunehmend als Stilmittel verwendet. Man kennt sie bereits aus seinem Buch „The Death of Bunny Munro“. Zum Schluss beruhigt sich das Geschehen. „And some people say it’s just rock’n’roll, oh, but it gets you right down to your soul“, heißt es im Titelsong. Der Mann hat gut reden. Bei ihm geht mal wieder alles unter die Haut.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Nick Cave & THe Bad Seeds, Push the Sky Away (Bad Seed/Rough Trade)

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