Tonträger

Platten auf dem Prüfstand

Schwarzer Humor
Zuletzt komponierten Mogwai ruhige Musik für einen Zombie-Film, der kriechendes Unheil verbreitete. Von der subtilen Atmosphäre lassen sich die Schotten auch auf ihrem neuen Album leiten. Schwebend steigt die Platte ein, mit warmen Gitarren- und Xylofon-Synth–Klängen. So sanft soll es aber nicht bleiben, in „Remurdered“ etwa streiten Kraftwerk’sche Scifi-Sounds mit peitschenden Drumbeats und Fuzz-Riffs. Unterwegs blitzt der schwarze Humor der Band auf, etwa wenn in „Repelish“ über den Satanismus im Werk Led Zeppelins referiert wird. Das einzige Gesangsstück „Blues Hour“ wäre fast schon cheesy, wäre es nicht so wunderbar platziert innerhalb des dynamischen Spannungsbogens.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Mogwai, Rave Tapes (Rock Action / Pias)

Geht doch
Auf „This Is What I Do“ lässt Boy George die Skandal-meldungen mit einem fast spürbaren Stoßseufzer hinter sich und kehrt zur Musik im Stil seiner besten Jahre zurück. Und der war schon in den Achtzigern von Soul, Pop, Reggae und Gospel-Harmonien geprägt. Das Jetztzeit-Selbstporträt „King of Everyhting“ mit seinem feierlichen Britpop-Chorus und seinem Thema des Neustarts („Put down the booze, let the demons win the fight“) gehört zum Einprägsamsten in der altersmilden Kollektion; die zweite Albumhälfte schaukelt später in friedlicher Reggae-Gangart vor sich hin. Die Stimme des 52-Jährigen ist rissiger und dunkler geworden, was ihr ein wenig an Schönheit nimmt, nicht aber an Charakter.

Text: Ulrike Rechel 

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Boy George, This is what i do (Kobalt Musik)

Indie-Rock mit allen Freiheiten
Diese Frauenband will anders sein, das merkt man an jedem Akkord. Sie erhebt das Vage und Unbeschreibliche zur Kunstform. Wenn in „Disco/very“ ein markanter Groove auftaucht, lehnt sie sich für ihre Verhältnisse schon weit aus dem Fenster. In der Mehrzahl verlassen sich Warpaint auf ihre Improvisationsfähigkeit. Auf Songs, die durch den Raum zu schweben scheinen, von psychedelischen und Dunkelkammer-Bands beeinflusst sind und gelegentlich einen Freiheitsgedanken in sich tragen, der an die Welt des Jazz erinnert. Meistens gehen die Experimente gut. Es gibt dieses Mal aber auch Phasen, in denen die Band durchhängt. Passagen, in denen man nicht mehr weiß, ob Warpaint absichtlich mäandrieren oder gerade keinen Plan haben. Sie beeinträchtigen den Genuss. 

Text: Thomas Weiland  

tip-Bewertung:  Annehmbar (4/6)

Warpaint, Warpaint (Rough Trade / Indigo)

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