Tonträger

Platten auf dem Prüfstand

Formverbesserter Rüpel
„I just hate to be the bad guy“, säuselt eine Frauenstimme. Selten so gelacht! Wenn er sich zu Beginn wutschnaubend in seinen ganzen Wahnsinn hineinsteigert, ist er der böse Bastard schlechthin, wie es sich gehört. Eminem ist bis in die Haarspitzen motiviert, lässt das ganze Rückfall-Genesungs-Drama hinter sich und liefert Tracks ab, von denen man hören wird. Großartig ist, dass Rick Rubin den Beat aus „Time Of The Season“ von The Zombies hervorgekramt hat. Auch das mit Komik gespickte Duell mit Kendrick Lamar in „Love Game“ ist ein Höhepunkt. Das Herumreiten auf Joe Walshs „Life’s Been Good“ ist dagegen übertrieben, und die auch hier präsente Rihanna sollte mal eine Pause einlegen, aber die Schwachpunkte sind eindeutig in der Minderzahl, Eminem ist wieder eine zähnefletschende Bedrohung.

Text: Thomas Weiland  

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Eminem, The Marshall Mathers LP 2  (Interscope / Universal) 

 
ThisIsIconaPopParty-Alarm
Da ist es also, das Album, das auf einen der infektiösesten Party-Hits des Jahres folgt. Das fröhlich-überschnappende „I Love It“ des Schwedinnen-Duos macht pflichtgemäß den Anfang mit seiner manischen Energie, die Lady Gaga oder Madonna neidisch machen dürfte. Generell liefern Caroline Hjelt und Aino Jawo mit ihrem weitgehend mitbrüll- und durchtanzbaren Erstling ein zündendes Stück Euro-Dancepop von der Sorte, wie man es allgemein mit Schweden assoziiert. Songs wie der Bouncer „On A Roll“ oder „Ready For The Weekend“, das klingt wie Bananarama in Autotune-Ekstase, dürften bald die Tanzflächen beschallen, während sich Madonna sicher längst die Telefonnummer der spaßigen Icona-Girls besorgt hat.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Icona Pop , This Is … Icona Pop (Warner)

 

MatangiAnzeichen von Mäßigung
Zuerst kündigt Maya Arulpragasam ein „Karmageddon“ an. Dann spricht sie über Länder auf dieser Welt, an denen der Reichtum regelmäßig vorübergeht. Auf den ganz großen Akt der Militanz ist sie aber nicht aus. „Warriors in a dance, gangsters, bangers, we’re putting them in a trance“, singt sie. In „Come Walk With Me“ deutet sich anfangs ein Anflug von Liebeslied an, aber dann stellt Produzent Switch mit hektischem Beat-Geploppe wieder die alte Ordnung her. Maya will zu dem zurück, was sie bekannt gemacht hat. Man erkennt  weltmusikalische Elemente, den aus „Paper Planes“ herübergeretteten Witz und eine starke rhythmische Ausrichtung. Manches wirkt aber auch deplatziert. „Live fast, die young, bad girls do it well“? So einen Tinnef überlässt man besser Nicky Minaj.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6) 

M.I.A., Matangi (N.E.E.T / Universal)

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