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Public Enemy: Man Plans God Laughs

Public Enemy: ?Man Plans God LaughsEs wäre eine Überraschung gewesen, wenn man 2015 nichts von ihnen gehört hätte. Auf die Vorfälle in Ferguson, Baltimore und Charleston muss eine politisch motivierte Rap-Band reagieren. In „Me to We“ skandiert sie: „Can we get together, we the people? Oh yeah. See the people, are they free and equal? Hell no.“ Für Hartreimer Chuck D ist alles zu verfahren und die Ungleichheit nicht zu beseitigen. Was also tun? Schluss damit, alle auf die Barrikaden? „Give peace a damn or we don’t stand a chance“, lautet die Replik.
Ein Gewinn ist dieses Album auch deshalb, weil die Musik (im Vergleich zu früher) überarbeitet wirkt. Man erkennt das am elektronischen Sound mit orientalisch-indischem Beiwerk in „No Sympathy for the Devil“. Auch Freunde der Rockgeschichte werden bedient. Von den Rolling Stones kennt man „Honky Tonk Women“, das Loblied auf Lustweiber in Spelunken. Bei Public Enemy wird daraus „Honky Talk Rules“, eine mit feurigem Soul-Gesang und original Stones-Riffs versetzte Beschwerde gegen das Auftreten des weißen Mannes. Man hat Jagger/Richards ja immer vorgeworfen, dass ihre Magie viel von der Vorarbeit amerikanischer Blues-Männer of color profitierte. Jetzt holen sich Public Enemy etwas von den britischen Rock-Legenden quasi zurück, ohne dass es gleich bitterböse ernst gemeint ist.
Chuck D hat höhere Ziele. In „Earthizen“ hebt er hervor, dass er die Erhaltung und Verbesserung der Kunst im Auge hat. Da hat er den Mund nicht zu voll genommen. Public Enemy haben vor acht Jahren mit „How You Sell Soul to a Soulless People Who Sold Their Soul?“ ihre Spätphase eingeläutet und jetzt einen Höhepunkt hinzugefügt, in dem alles steckt, was diese Band besonders macht. Bring the noise!

Text: Thomas Weiland

Public Enemy Man Plans God Laughs (Spitdigital Recordings/Alive)

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