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Santigold: 99¢

Santigold: ?99ў

Beyoncé, D‘Angelo, Rihanna und Kanye West haben kalkuliert, dass sich das auf ein neues Album gerichtete Interesse durch die Form der Veröffentlichung oder eine spektakuläre Präsentation noch einmal gehörig erhöht. Sollen sie doch alle machen, denkt sich Santi White alias Santigold und wählt mit Stolz die billige Variante. Ihre Heimat war ohnehin nie der klassische R&B oder HipHop, obwohl ein mit ILoveMakonnen eingespielter Schunkler in diese Richtung geht. „Yeah, I got boys around the world who be lovin‘ me“, lässt sie darin wissen. In der Tat ist ihr Zulauf wieder sicher.

Auf dem Cover suhlt sie sich in dem ganzen Gerümpel, das sie im Stil einer Flohmarktkönigin erstanden hat. Genau so hatte man sie vor acht Jahren kennengelernt, als sie sich mit „L.E.S. Artistes“, „Say Aha“ und anderen Songs vorstellte, aus denen Kult-Hits wurden. Genau so kehrt sie jetzt nach dem Nachfolger „Master Of My Make-Believe“, einem Konzertabbruch beim Berlin-Festival und einer Denkpause wieder zurück. Als eine vom New Wave überwältigte Frau, die der Musik kratzbürstige Persönlichkeit zurückbringt.

In „Outside The War“ fallen sofort diese nervöse Gitarre und der in den Hintergrund gedrängte Gesang auf. Santi macht an dieser Stelle noch einmal deutlich, wie viel sie für Siouxsie & The Banshees oder The Cure übrig hat. Eine eigene Deutung von „Banshee“ stellt sie im gleichnamigen Track zur Diskussion. Sie verbreitet aber nicht als Todesfee Angst und Schrecken, stattdessen hört man eine infektiöse Melange aus Volksfeststimmung und entdeckt Parallelen zur jamaikanischen Musik. Santigold überzeugt auch bei geringem Budget.

Text: Thomas Weiland

Santigold 99¢ (Atlantic/Warner

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