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Skeletons and the Kings of all the Cities

Skeletons and the Kings of all Cities

 

Seit Animal Collective wagte sich keine Band derart tief auf jene exotischen, weil unerforschten Pfade, um in einem dicht geknüpften Klangdschungel Bezugspunkte zwischen den Genres zu finden, wie die aus Brooklyn stammenden Skeletons and the Kings of all Cities um Ober-Skelett Matt Mehlan.

Obwohl es in den letzten Jahren nahezu alle kreativen Hips­ter-Bands zwischen Radiohead und Vampire Weekend pflegten, möglichst viele Einflüsse zu einer polyfonen Suppe herunterzukochen, bleiben die Skeletons bei allen stilistischen Mixturen angenehm eigenständig und überraschend homogen.

Vergleiche mit Captain Beefheart waren wohl nur gut gemeinte Versuche einiger Kritiker, schwer zu beschreibende Musik mit einem prominenten Label zu versehen. Der Vielschichtigkeit der Kompositionen mit knis­ternden elektronischen Einsprengseln, heulenden Geigen, röhrenden Waldhörnern, funky Hammondsolos und treibenden Percussions steht die helle, sanfte Stimme Mehlans als heil­samer Gegenpol zur klangli­chen Abenteuerlust entgegen, und Mehlans Timbre ähnelt damit ganz und gar nicht der stimmgewaltigen Referenz.


Wenn auf dem neuen Album „Lucas“ das stellenweise bis zum Dutzend anwachsende Musikerensemble der Skeletons in dem zehnminütigen Epos „Dont’ Worry“ einen Bogen von Ornette Cole­man über Steely Dan bis zu Devendra Banhart spannt und in improvisierten Thereminfeldern mündet, besingt Mehlan sphärisch entrückt die Entwurzelung des modernen Menschen. Themen, für die er irgendwo in den Weiten von Kansas die Inspiration fand, die aber überall das Zeug dazu haben, den beinahe schon verloren geglaubten Pop-Underground zu beleben.

Text: Jacek Slaski

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