Tonträger

Tricky

CoverFünf Jahre lang verweigerte sich Adrian Thaws alias Tricky standhaft dem Schallplattenveröffentlichungsbetrieb. Keine unkluge Entscheidung. Seine letzten Alben „Blowback“ und „Vulnerable“ ließen den vorher visionär wirkenden Sprechsänger nur noch angestrengt und ordinär erscheinen.


Eine Auszeit schien angebracht. Tricky gönnte sie sich, genoss das Leben als Privatmann, feierte viel und lernte dabei reichlich neue Leute kennen. Den Jamaikaner Rodigan zum Beispiel, der jetzt in den von Dancehall-Drive befeuerten Tracks „Bacative“ und „Baligaga“ Worte zu Flammenwerfern macht. Genauso unbekannt sind der Straßenmusiker Joseph und die Sängerin Veronica. Mit ihnen lief die Zusammenarbeit im Studio dermaßen gut, dass Tricky gleich die Songs nach ihnen benannt hat. So handelt nur einer, der sich nicht wie ein Superstar aufspielt und Lust auf Musik hat.


Die Geschichte, die dieses Album erzählen will, hat aber nichts mit der Gegenwart zu tun. Knowle West nennt sich der Stadtteil von Bristol, in dem Tricky aufgewachsen ist. Das triste Dasein dort hat er längst hinter sich gelassen, zurzeit lebt er in Los Angeles. Der Gedanke an eine Rückkehr zu den Wurzeln scheint ihn allerdings zunehmend zu beschäftigen. Die Stücke „Coalition“ und „Past Mistake“ erinnern an Zeiten, als er mit seiner ehemaligen Partnerin Martina Topley-Bird dem Trip-Hop auf der Spur war. Nach dem Portishead-Comeback nun also das.


Tricky spekuliert aber nicht auf ein Revival. Dafür ist „Knowle West Boy“ zu verspielt ausgefallen. Das mit Blues-Riffs und Pianoakkorden versetzte Intro „Puppy Toy“ vermittelt die Atmosphäre eines späten Barbesuchs. Der Rock-Track „C’mon Baby“ erinnert mit quengliger Gitarre, einpeitschendem Beat und hitzigem Gesangsduell an The Kills. Kylie Minogue covert Tricky auch. „Slow“ klingt hier wie der böse Bruder ihres Originals. So will man diesen finsteren Gesellen hören. Nett sind andere schließlich schon zur Genüge.

(Domino/ Indigo)

Text: Thomas Weiland

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