Konzerte & Party

Tony Allen im Haus der Kulturen der Welt

Tony Allen

Nicht viele Musiker können sich im Schatten eines charismatischen Anführers einen eigenen Platz sichern. Zu ihnen gehörte Schlagzeuger Tony Allen. Er sorgte in Fela Kutis Band Africa 70 mit Snare und Toms für eigenartig stotternde Beats und konnte sie, wenn nötig, eine halbe Stunde lang metronomisch genau halten. Allen war auf diese Weise an dreißig Kuti-Alben beteiligt, dazu gesellten sich drei eigene. 1979 hatte er genug davon, weil er die notorischen Disziplinlosigkeiten des Chefs nicht mehr ertragen konnte. Allen zog von Lagos nach London und dann nach Paris und kam auf dem Weg mit anderen Granden der afrikanischen Musik in Kontakt, mit King Sunny Adй und Manu Dibango. Einen erneuten Aufschwung erlebte seine Karriere in den Nullerjahren durch die Begegnung mit Damon Albarn. Der Blur-Sänger gastierte 2002 auf Allens Album „Homecooking“, danach setzte sich der Kulturaustausch in den Bands The Good, The Bad & The Queen und Rocket Juice & The Moon fort. Heute, im Alter von 75 Jahren, denkt Allen noch immer nicht ans Aufhören. Dagegen sprechen zu viele Themen, die ihm unter den Nägeln brennen. Im Song „Boat Journey“ ruft er die Afrikaner eindringlich dazu auf, keine Flucht über das Mittelmeer zu riskieren. Allen muss das sagen, weil zu viele Leute schweigen. Der Mann ist ein Vorbild, in jeder Hinsicht.

Text: Thomas Weiland

Foto: Bernard Benant

Tony Allen, Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Sa 21.3., ?20 Uhr, VVK: 22–32 Euro zzgl. Gebühr

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