Konzerte & Party

Tori Amos im Tempodrom

Doch, sicher. Wann haben Sie in Ihrem Leben diesen Druck gespürt?
Mehrmals. Zu unterschiedlichen Zeiten war das auch eine unterschiedliche Art von Druck.

Wenn Sie ganz für sich allein sind, welche Lieder spielen Sie dann?
Das ist tatsächlich etwas völlig anderes, als anderthalb Stunden die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen, um sie zu unterhalten. Man trägt die Verantwortung, ein magisches Abenteuer zu erschaffen. Wenn man aber allein ist, fällt man in bestimmte Stimmungen. Dann spiele ich Songs, um mich durch diese Stimmung zu arbeiten oder sie zu reflektieren.

Auf dieser Platte hören wir für Ihre Verhältnisse viel Gitarre. Komponieren Sie auch darauf?
Alle meine Songs entstehen am Klavier. Ich arbeite eng mit Mark und Marcel, meinen langjährigen Ton-Mischern. So wird ein Klanggebäude aus den Songs. Und es war klar, dass diese Platte ganz anders klingen sollte als die drei vorigen. Selbst das Musical hatte ja Holzbläser und Streicher. Jetzt wollte ich eine Balance aus Klavier, Gitarre und Rhythmus.

Auf Tournee sind Sie dann aber ohne Band unterwegs.
Aber ich werde auch andere Instrumente außer den Flügel dabei haben, und sie, ein bisschen wie ein Oktopus, alle bespielen, Hammond-Orgel und Synthesizer unter anderem. Meine Tochter sagte mir: „Mach schon, Mama, rock die Bühne, du bist fünfzig, nicht siebzig! Mach deine One-Woman-Show!“ Aber wir haben einen Deal: keine zu freizügigen Schock-Outfits!

Wie hat sich in all den Jahren Ihre Beziehung zum Klavier verändert?
Man lernt immer dazu. Aber sie ist ein treuer Freund in meinem Leben. Die von der Platte reist aber nicht, auf Tour kommen mehrere andere mit. Eine war lange bei mir und musste nachgebaut werden. Sie hatte eine harte Zeit, all die Jahre unterwegs, auch auf der „Night of Hunters“-Tour mit Salzwasser-Luft. Aber diese Mädchen werden gut umsorgt.

Warum sind Klaviere für Sie überhaupt weiblich?
Die meisten Gitarristen würden ja auch sagen, dass Gitarren weiblich sind, Mätressen. Und Motorräder sind es doch auch.

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Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Stefan Hochgesand / Amarpaul Kalirai / Mercury Classics

„Tori Amos“, Tempodrom, 20.5., 20 Uhr, 55–82 Ђ zzgl. Gebühr

Verlosung: 5 X 2 Freikarten fürs Konzert

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