Konzerte & Party

Tori Amos im Tempodrom

Frau Amos, werden Sie noch Zeit haben, Berlin zu erkunden?
Das hoffe ich, denn ich liebe Berlin – für mich eine der aufregendsten Städte der Welt.

Haben Sie hier schon Songs geschrieben?
Viele sogar (lacht). Auch für manche auf der neuen Platte „Unrepentant Geraldines“ hat mich Berlin inspiriert.

Wie fühlt es sich an, nach den drei Platten mit großem Orchester jetzt akustisch zu reduzieren?
Orchester sind lebendige, atmende Kreaturen. Das war magisch. Ich brauchte das für mein eigenes Seelenwohl – wie eine neue Galaxie, die sich mir plötzlich geöffnet hat. Da ich während der letzten Jahre keinen Vertrag für Pop-Musik hatte, sondern beim Klassik-Label Deutsche Grammophon war und das Musical „The Light Princess“ geschrieben habe, war ich viel in nicht so aktuellen Genres unterwegs. Währenddessen hab ich aber auch meine kleinen Lieder geschrieben.

Die Vorab-Single „Trouble’s Lament“ vom neuen Album klingt nach Blues, sogar ein bisschen nach Americana. So haben Sie früher nie geklungen, oder?
Das stimmt. (lacht) Der Track „Big Wheel“ auf dem Album „American Doll Posse“ von 2007 ging vielleicht ein bisschen in diese Richtung, aber dann doch wieder anders.

Im Song „Giant’s Rolling Pin“ machen Sie sich anscheinend über NSA- und FBI-Überwachung lustig.
Ich finde, man muss dabei ein bisschen in sich hineinlachen, oder nicht? Klar ist das eine ernste Sache, dass Leute das Gefühl haben, ihr Privatleben wird entblößt. Im Song geht es darum, dass wir schon wissen, dass alle spionieren. Ich weiß nicht, wo jemand lebt, den das noch überrascht. Im Song geht es um Kuchen, die die Wahrheit ausplaudern. Das wäre eine ganz andere Welt.

Schon das Cover von „Unrepentant Geraldines“ explodiert visuell. Wie haben die bildenden Künste Sie inspiriert?
Das Album ist ganz gewaltig inspiriert durch die bildenden Künste, durch Fotografien von Diane Arbus, Gemälde von Dante Rossetti, Daniel Maclise und Paul Cйzanne. Ich hab darüber gelesen, dass Cйzanne mindestens sechzehn Blautöne auf seiner Palette hatte. Nicht schlecht für die Zeit, oder? Plötzlich hab ich Musik gehört, als ich mir sein Öl-Gemälde „Die schwarze Marmoruhr“ anschaute – eine Uhr ohne Zeiger! Ich begann, Zeit anders zu betrachten – auch wie sie Menschen bewegt, die ganz unterschiedlich alt sind. Auch über den unbewussten Druck hab ich nachgedacht, den Druck, eine Karriere hinzulegen, sich entscheiden zu müssen, ohne zu wissen, wohin man will im Leben. Können Sie sich das vorstellen?

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