Konzerte & Party

Tortoise im ColumbiaClub

TortoiseEs gibt Leute, die haben es nicht mehr so mit Tortoise. Sie werfen der Band vor, ihre mit dem Debüt abgegebenen Versprechen nicht eingelöst zu haben und nur noch wie ein Fossil dahinzuve­getieren. Tortoise hätten nie die ganz große Bedeutung erlangt, nie die
Zukunft des (Post-)Rock mitbestimmt und sich nie ent­wickelt, heißt es in Blogs, Foren und Kritiken. Das ist schon einigermaßen impertinent und inkompetent.
Die Wahrheit ist eine andere: Tortoise haben nie nachgelassen. Trotz des Auftauchens unver­meid­licher Epigonen vertrauen sie einem einzigartigen Sound, den sie immer wieder sinnvoll umgestalten, auch und besonders auf dem neuen Werk „Beacons Of Ancestorship„. Hier lassen sich die Filigrantechniker aus Chicago sogar auf Dinge ein, von denen sie sich einst distanziert hatten. Sie liebäugeln mit Punk und Hard­core, wenn das Tempo anzieht, verzerrte Gitarren für Unruhe sorgen und das Schlagzeug kraftvoll malträtiert wird. Man hört auch, dass diese Leute mit der elektronischen Musik der Clubs vertraut sind. In Verschnaufpausen zitieren sie zudem idyllische Momente aus Filmmusik oder Easy Listening – erstaunlich viele Nuancen für eine Band, die immerhin Instru­men­­­­­talmusik bevorzugt.
Tortoise produzieren subtile Klänge, die man am besten im Sitzen auf sich wirken lässt. Deshalb wäre eine Ansetzung in einem bestuhlten Raum eigentlich optimal gewesen, so wie vor Jahren mal im Sendesaal des RBB. Aber eine gute Band genießt man letztendlich überall, wo man sie zu sehen und zu hören bekommt.

Text: Thomas Weiland

Foto: Jim Newberry 

Tortoise, ColumbiaClub, Di 18.8., 21 Uhr, VVK: 26,50 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Mehr über Cookies erfahren