Konzerte & Party

Total Music Meeting

„The Shape of Jazz to Come“ nannte Ornette Coleman 1959 sein revolutionäres Album, mit dem er die Weichen für die Zukunft des Jazz stellte. Seitdem sollte Jazz nicht mehr die melodische Hintergrundmusik zum zünftigen Abhotten sein, die Musiker verließen die Harmonien und fein abgestimmte Arrangements.
Der neue Jazz war kantig, unberechenbar, schwierig und vor allem improvisiert. Von Archie Shepp bis Albert Ayler erhoben sich junge schwarze Musiker in den USA und spielten sich ihre Wut aus dem Leib, und schon bald fanden sie auch im von Studentenprotesten und der Hippiebewegung aufgewühlten Europa willige Mitstreiter. Peter Brötzmann und Alexander von Schlippenbach in Deutschland, Han Bennink in den Niederlanden und Derek Bailey in England übersetzten den Free Jazz in europäische Dissonanzen.
In Berlin gab der Musikenthusiast Jost Gebers dem Genre ein Forum, sowohl auf seinem Plattenlabel FMP (Free Music Production) als auch mit dem dazugehörigen Festival Total Music Meeting, das seit 1968 stets parallel zum Berliner Jazzfest abgehalten wird.
Seit 2000 leitet Helma Schleif die Geschicke von FMP und Total Music Meeting und setzt die Tradi­tion fort. Damit bleibt das Festival weiterhin einer der weltweit wich­tigsten Treffpunkte der improvisierenden Szene. Beim 40. Jubiläum werden neben Julie Tippett, Gerd Dudek und Günther Baby Sommer mit Manfred Schoof, Fred van Hove und Evan Parker auch gleich drei Protagonisten vertreten sein, die schon beim allerers­ten Total Music Meeting dabei waren.

Text: Jacek Slaski


Total Music Meeting
– Internationales Künstlerfestival für improvisierte Musik, Do 6. bis So 9.11., Berlinische Galerie,
Programm siehe Kalenderfunktion und www.free-music-production.de

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