Konzerte & Party

Trentemшller am Freitag im Astra Kulturhaus

Trentemшller

tip Wir schreiben das Jahr 2010, und die Welt tanzt noch immer zu Techno. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?
Anders Trentemшller Techno, das muss man klar und deutlich sagen, ist als Lebensgrundlage völlig ungeeignet. Man fühlt sich dabei, als würde man die ganze Zeit nur Fish & Chips in sich hineinstopfen.

tip Sie leben und ernähren sich aber ganz gut davon. Seit Ihrem ersten Album „The Last Resort“ sind Sie gut im Geschäft?
Trentemшller Das stimmt. Ich bin allerdings erst spät zu dieser Musik gekommen. Zu Beginn der Neunziger Jahre, als die große Techno-Euphorie losbrach, habe ich in Rockbands gespielt. Erst nach und nach ging es mit der elektronischen Musik los. Vor sechs, sieben Jahren habe ich begonnen, mich richtig intensiv damit zu beschäftigen. Doch just in dem Moment, wo ich es tat, war ich auch schon gelangweilt.

tip Was war der Grund dafür?
Trentemшller Viele Produzenten verschwenden viel zu viel Zeit damit, ihre Musik in ein spezielles Format zu pressen. Das tun sie so lange, bis nichts mehr atmet und der Track quasi ausgeblutet ist. Wenn ich so etwas höre, verliere ich schnell das Interesse. Schon mit „The Last Resort“ habe ich versucht, das Ganze etwas aufzuhübschen. Es gibt Akkordwechsel, Melodieansätze und ein warmes analoges Grundgefühl in der Musik. Minimal Techno war damals, als das Album erschien, schon ein Thema, gerade hier bei Ihnen in Berlin. Mir kam er aber zu kalt und klinisch vor.

Trentemшllertip Das kann man von Ihrem neuen Album „Into The Great Wide Yonder“ nicht behaupten. Wie sind Sie zum Beispiel auf die Idee gekommen, eine Surf-Gitarre mit einem Drum‘n‘Bass-Beat zu verbinden?
Trentemшller Ausgangspunkt war der Surf-Sound, für den ich grundsätzlich eine Schwäche habe. In Kopenhagen trete ich öfter als Rock-DJ in einer Bar auf, da spiele ich zwischendurch auch gerne mal was aus der Surf-Rock-Ecke. Nicht diesen Sonnenscheinsound der Beach Boys, der auch ganz schön ist. Mehr das düstere und härtere Zeug von Dick Dale. Davon ist jetzt etwas in meine Musik eingeflossen, ohne dass ich mit Macht darauf aus war. Der Breakbeat kam hinzu, weil das Tempo gut zum Surf-Rock passt.

tip Das Album erscheint auf Ihrem eigenen Label, das „In My Room“ heißt. Macht es Ihnen Spaß, zu Hause alleine an Tracks zu arbeiten?
Trentemшller Ich produziere meine gesamte Musik zu Hause. Der Idealzustand ist das nicht. Ich fühle mich da schnell eingeengt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Man sitzt die ganze Zeit vor dem Computer, und es passiert eigentlich nichts. Techno ist die Musik, die unter diesen Umständen am besten funktioniert. Ich war aber froh, dass ich schon mit dem letzten Album viele Auftritte mit Band hatte. Das schafft einen schönen Ausgleich. Ich kann mich dann wie ein Jugendlicher fühlen, der mit seinen Kumpels einen auf dicke Hose macht und allerlei Streiche ausheckt.

tip Sie haben mit Sängern aus dem In- und Ausland gearbeitet. Worauf haben Sie dabei geachtet?
Trentemшller Ich musste dafür praktisch nichts tun. Fyfe, der Sänger der Band Guillemots, hatte über Myspace Kontakt zu mir aufgenommen. Mit Josephine, der Sängerin von Darkness Falls, bin ich zusammen. Marie Fisker kenne ich auch ganz gut, sie hat sich für den verträumten Country-Stil in „Sycamore Feeling“ geradezu angeboten. Es steckt auf keinen Fall Kalkül dahinter.

Trentemшllertip Wie gut sind Ihre Kontakte zur dänischen Indie-Szene, die seit einiger Zeit Furore macht?
Trentemшller Dänemark ist ein kleines Land, da können sich Musiker nicht aus dem Weg gehen. Bei uns geht es zu wie in einer großen Familie. Man freut sich, wenn man sich wiedersieht. Niemand fühlt sich cool oder grenzt sich ab, weil er eine andere Art von Musik macht. Ich habe den Song „Beach“ von Mew neu abgemischt, das sind gute Freunde von mir. Der Mann, der jetzt bei Efterklang für die visuellen Effekte zuständig ist, hat auch schon für mich gearbeitet. Das sind alles gute Leute. In Dänemark gibt es nicht nur Clowns wie Aqua oder Junior Senior.

tip Sie haben letztes Jahr auf der größten Rockveranstaltung Ihres Landes gespielt, dem Roskilde-Festival. Wie war das?
Trentemшller Das war eine Art Feuertaufe. Ich bringe ja schon bei DJ-Auftritten meine eigenen Bootlegs zum Einsatz. Außerdem achte ich da­rauf, dass ich auch was von Suicide oder Link Wray einbaue, um zwei Beispiele zu nennen. Auf der Bühne läuft das viel organischer ab. Ich versuche, den Leuten beide Seiten schmackhaft zu machen, den Techno-Mix und den Band-Auftritt. Ich baue eine gewisse Stimmung auf. Wir haben in Roskilde mit 50?000 Leuten eine Party gefeiert und keinen hat es interessiert, welcher Musikstil gerade bedient wurde.

tip Sie sind also für Ihren Auftritt in Berlin gerüstet?
Trentemшller Ich glaube schon. Roskilde ist ein Heimspiel, da muss mir nicht unbedingt bange sein. Vor einem Auftritt in Seattle aber war ich schon unruhig. Ich befürchtete, die könnten uns von der Bühne prügeln, weil wir keinen Hardrock spielen. Aber es lief gut und war erfrischend, mal in einer echten Konzerthalle zu spielen. Von daher wird das in Berlin schon klappen.

Interview: Thomas Weiland

Fotos: Caspar Sejersen

Trentemшller, Astra, Fr 8.10., 21 Uhr, VVK: 28 Euro

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