Konzerte & Party

Tricky auf dem Berlin Music Festival

Tricky

Trickys neuntes Album ist eine Familienangelegenheit. Gleich der erste Song ist ein Lied an die Mutter: einer Frau, die an Epilepsie litt, die 14 Kinder zur Welt brachte und sich das Leben nahm, als Tricky vier war. „Every Day“ heißt der abgenagte Voodoo-Blues. In „Bristol To London“ wirft sich ein jugendliches Rapper-Duo die Bälle zu, reimt über das Gangsta-Dasein in Englands aufgegebenen Bezirken. Die eine gehört Marlon Thaws, Trickys jüngstem Bruder. „So habe ich noch keinen rappen hören“, sagt der 42-Jährige stolz. „Dass er auf meinem Album vertreten ist, hat nichts damit zu tun, dass er mein Bruder ist. Schließlich schreibt er schon seit einer ganzen Weile Songs. Jetzt aber hat er seine eigene Sprache gefunden.“ Der Grime-Track mit den harten Synth-Klängen verströmt das Aroma der Straße, das die gesamte Platte – „Mixed Race“ – charakterisiert. „Dort komme ich her“, sagt das einstige Trip-Hop-Wunderkind und meint damit Bristols sozialen Bennpunkt Knowle West: einen Ort, von dem sich der Wahlpariser seit Langem fern hält. Seinen Bruder Marlon aber geht er bald besuchen. Ihm steht demnächst eine Haftstrafe bevor. „Das schafft er“, sagt Tricky gelassen „Er weiß, dass er die Wahl hat: den Scheiß weiterzumachen oder Songs zu schreiben.“

Text: Ulrike Rechel

TRICKY (BERLIN FESTIVAL), Flughafen Tempelhof,  Sa 11.9., 21 Uhr, Tages­ticket 50 Euro, Festivalticket 70 Euro

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