Konzerte & Party

Tusq im Magnet

Tusq

Einige berühmte Rockbands haben schon Filme über ihre Studioarbeit gedreht. Dass aber eine Band die Entstehung ihres Debüts dokumentiert, ist schon eher ungewöhnlich. Vielleicht ahnten Tusq aber bereits, dass sie dabei elementare Höhen und Tiefen ausloten würden. Allein der Ort, den das Quartett aus Berlin und Hamburg auswählte, um ihre weit gespannten Indierocksongs aufzunehmen, erinnert an einen Härtetest: Finnland im tiefsten Winter, ein dämmriges Studio im Nirgendwo, genauer in der Gegend ums verschnarchte Lahti. In den Filmepisoden, die man im Internet betrachten kann, sieht man die neu formierte Band beim Streit um Details, beim kollektiven Lagerkoller, beim Nerven- beziehungsweise Ganzkörperkühlen im Lahti‘schen Tiefschnee.
Nicht, dass die vier Musiker neu im Rock‘n‘Roll-Geschäft wären: Paul Konopacka zupft auch den Bass bei den Hamburger Indierockern Herrenmagazin, Gitarrist Timo Sauer spielte bei der aufgelösten Band Schrottgrenze, Drummer Holger Lüken und Sänger Uli Breitbach schafften es mit The Coalfield respektive D-Sailors zu regionaler Beachtung. Umso sympathischer erscheint ihr Ansatz, mit einer Wunschband ein Wunschalbum auf eigene Faust zu stemmen – und dazu gehörte nun einmal die Zusammenarbeit mit dem im weit entfernten Finnland lebenden Produzenten Jürgen Hendlmeier. Das fertige Album mit dem beredten Titel „Patience Camp“ hat nicht allzu viel mit den frühen Skizzen aus den Filmclips gemeinsam. Es birgt satte Melodien mit der Gitarre als Dreh- und Angelpunkt, euphorische Gesänge aus vielen Kehlen, üppige Hallräume um fahle Gitarren und Feedback-Schichten nach Art von New-Wave-Helden wie Phillip Boa oder Brit-Rockern wie Feeder. Dieser Tage steht Teil zwei der jungen Band-Saga an: das Leben „on the road“. Vermutlich halten die vier auch hier wieder mit der Kamera drauf.

Text: Ulrike Rechel

Tusq + Herrenmagazin + This Is The Arrival, Magnet, Sa 16.10., 21 Uhr, VVK: 8 Euro

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