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TV On The Radio: „Nine Types Of Light“

TV On The Radio: Nine Types Of LightEr soll ziemlich surreal gewesen sein, der jüngste Studioaufenthalt von TV On The Radio in Los Angeles, der neuen Heimat von Produzent Dave Sitek. Schließlich befand man sich innerhalb einer lauten Shopping Mall. Die  Indie-Hipster und Funk-Querdenker aus Brooklyn haben dort dennoch so etwas wie ihr Album für Sonnenuntergänge eingespielt.

Zumindest zur Hälfte. „Nine Types Of Light“  beginnt mit einem Songtrio, in dem die Band die romantischsten Momente des Vorgängeralbums „Dear Science“ aufnimmt und auf die nächste gefühlssatte Ebene hebt. Leadsänger und Teilzeitschauspieler Tunde Adebimpe liefert dort klassische Herzschmerz-Zeilen, wie man sie so zartbesaitet kaum erwartet hätte. „You‘re the only one I ever loved“, singt der Bandkopf etwa im epischen „You“, während ein schmales Gitarren-Funkriff den flatterhaften Grund legt für honigsüße chorale Harmonien. Vorangegangen waren mit „Keep Your Heart“ und „Second Song“ ähnlich melodieselige Songs: In Letzterem mit seinen an Prince-Balladen geschulten feierlichen Orgelklängen gibt Adebimpe zunächst den leidgeprüften Crooner – um später im anschwellenden Funk-Crescendo zum Falsett singenden Discoboy zu mutieren.

Ganz so anschmiegsam bleibt es nicht. Bald hat sich die Band in ihrem Faible für Verqueres warmgelaufen und reiht rhythmische Haken an kühne instrumentale Verbindungen aus Soulbläsern, cheesy Keyboard-Effekten, gepfiffenen Melodien oder auch mal Banjo-Gezupfe. „New Cannonball Blues“ dreht knarzende Synth-Bässe und weichen Oktavgesang durch die psychedelische Mangel, „Repetition“ deutet Princes 90er-Epos zum nervös brodelnden Bassritt um samt aggressivem Sprechgesang. „Caffeinated Consciousness“ schneidet zum Finale kantigen Rap gegen einen schwebenden Chorus. Der romantische Grundton des Anfangs wirkt da rückblickend wie eine flüchtige Halluzination.

tip-Bewertung: Hörenswert

TV On The Radio, Nine Types Of Light (Interscope/Universal)

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