Konzerte & Party

„Twisted Elements“ im Ritter Butzke und Suicide Circus

Dorian MazurekIhr selbst ernannter „Leitwolf“ Dorian Mazurek veranstaltet mit seinen Mitstreitern große Raves und kleine Parkpartys und nun auch „Twisted Elements“, ein Drei-Tage-Event.

tip Sie organisieren seit Jahren Technopartys, arbeiten also als Partyveranstalter, ist das überhaupt ein richtiger Beruf?
Dorian Mazurek (lacht) Ja. Es ist auf jeden Fall verdammt viel Arbeit.

tip Und verdient man damit Geld?
Mazurek Wie wir mit dem, was wir machen, Geld verdienen, ist mir oft ein Rätsel. BWLer würden uns den Vogel zeigen, wenn sie sehen würden, wie gering die Gewinnmarge ist. Die monatelange Arbeit vor den Partys taucht ja in der Kalkulation nicht einmal auf. Aber jetzt kommt der Standardspruch: Wir würden es auch machen, wenn wir kein Geld damit verdienen würden.

tip Und nun die Standardfrage: So was ist doch nur in Berlin möglich, oder?
Mazurek Klar, man kann hier mit weniger Geld überleben. Es ist aber auch einmalig, dass sich hier selbst Konkurrenten anderer Partycrews gegenseitig unter die Arme greifen. Und man muss dankbar sein, dass die Musiker die Idee hinter dem Ganzen verstehen. Sonst würde so ein Booking schnell mal 20.000 Euro kosten. Die Partyszene funktioniert anders als in Hamburg oder München. Hier reichen Marketingplan, Konzept und VIP-Gästeliste nicht für eine erfolgreiche Veranstaltung. Die Gäste sind hier sehr sensibel, die merken sofort, wenn eine Party ohne Herzblut organisiert wurde, die merken, wenn die Barleute, die Seele einer Party, nicht zufrieden sind mit ihrem Arbeitgeber.

Klangsuchttip Wie sieht Ihre konkrete Arbeit aus?
Mazurek Bei Klangsucht legen wir den Fokus auf die Musiker. Wir haben in den letzten Jahren einen eigenen Stamm von Künstlern aufgebaut, denen wir Bookings organisieren und Releases auf dem eigenen Label ermöglichen wollen. Wir suchen neue Locations, versuchen Genehmigungen zu bekommen, wir verhandeln mit Clubs, mit der Indus­trie, wir machen Promotion und dann eben die ganze Partyvorbereitung und Durchführung. Wir machen bestimmt 70 Partys im Jahr.

tip Aber Sie machen all das nicht alleine.
Mazurek Nein. Ich und unzählige helfende Hände. Es kann auch schon mal vorkommen, dass ein Musiker an der Kasse sitzt oder Flyer verteilt. Die Trennung zwischen Job und Freundschaft läuft da oft auch schief.

tip Wie lernt man das Veranstaltungsbusiness eigentlich?
Mazurek Als wir 2002 angefangen haben, hatten wir null Plan. Klangsucht ist als Alternative zum Arbeitsamt entstanden, wir hatten uns in den Jahren im Ostgut genug Inspiration angefeiert, aber bei den ersten Partys haben wir nur Minus gemacht. Durch Fehler und Stress lernt man wohl am besten.

tip Was ist schiefgegangen?
Mazurek Bei einer unserer ersten Feiern habe ich irgendwann morgens einen größeren Geldbetrag in den Tresor gelegt und gesagt: Geil, jetzt Freigetränke für alle. Dummerweise waren aber noch echt viele Leute da. Als wir am nächsten Tag fast mit dem Aufräumen fertig waren, kam ein Kumpel mit einer Rechnung an. Dass die Ware noch gar nicht komplett bezahlt war, hatten wir irgendwie vergessen.

tip Vom 19. bis zum 21. März veranstaltet Klangsucht zusammen mit kinetic.am und all is rhythm die nächste große Party. Drei Tage – ganz schön lang …
Mazurek Wir feiern ja nicht drei Tage am Stück. Samstag tagsüber schließen wir das Ritter Butzke, und am Sonntag ziehen wir zur Afterhour in den Suicide Club.

Klangsuchttip Damit die Leute zwischendurch auch mal nach Hause gehen und schlafen?
Mazurek Genau. Alles andere ist indoor schwierig zu verantworten. Wir haben ein Line-up, das sich selbst für Berliner Verhältnisse sehen lassen kann. James Ruskin, Deadbeat, Redshape oder Heiko Laux. Es geht um Musik. Ohne Pause geht meistens das Gespür für Musik verloren, das wollen wir bei der Party verhindern.

tip Also hat man als Veranstalter auch eine Verantwortung?
Mazurek Würde ich sagen. In der Feierszene findet gerade ein Ge­ne­rationenwechsel statt. Das ist schwierig, weil man sein Stammpublikum nicht vergraulen will. Man will Underground bleiben und trotzdem Raves mit über 1000 Gästen feiern. Und man will die Kids auch nicht ausgrenzen, sonst kann man ihnen ja nicht klarmachen, dass Techno mehr ist, als drei Tage wach zu sein.

Interview: Laura Ewert

Twisted Elements mit James Ruskin, A Guy Called Gerald, Deadbeat, Heiko Laux, Red­shape, Mark Broom, Function, Whatyes uvm., Ritter Butzke und Suicide Circus, Fr 19. bis So 21.3., VVK 3 Tage: 15 Euro, AK 1 Tag: 10 Euro

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