Konzerte & Party

Ty Segall im Festsaal Kreuzberg

Ty Segall

Es spielt keine Rolle, dass es The White Stripes nicht mehr gibt, The Vines in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind und Gossip jetzt auf Disco machen. Der gute alte Garagenrock bleibt trotzdem ein Thema. Es gibt immer wieder neue Leute, die ihn sich zum Vorbild nehmen, wie zum Beispiel gerade in San Francisco. Dort machen nicht nur The Oh Sees, Sic Alps oder The Fresh & Onlys von sich reden, sondern auch Ty Segall. Der will dieses Jahr allen Ernstes drei Alben veröffentlichen. Zwei davon sind schon erhältlich. Das erste, „Hair“, hat er mit seinem Kollegen Tim Presley alias White Fence aufgenommen. Der Einfluss von Donovans „Hurdy Gurdy Man“ ist nicht zu überhören. Wesentlich ruppiger geht es auf dem Longplayer zu, den Segall mit seiner Tourband aufgenommen hat. Auf „Slaughterhouse“ beleidigt er einen eigenen Song mal eben derbe mit dem F-Wort, dazu wird der Verzerrer bis zum Extrem ausgereizt. Ganz besonders muss man sich vor dem zehnminütigen „Fuzz War“ in Acht nehmen. Junge Männer lassen sich ja schon mal gehen, aber selten wie in diesem wüsten Akt der Zerstörung. Was das dritte Album bringen wird, steht noch in den Sternen. Vielleicht beruhigt sich der Vollberserker ja wieder und kehrt zu dem zurück, was er 2011 mit „Goodbye Bread“ aufgetischt hat. Damals erzählte er Geschichten vom Künstler, dem die letzte Scheibe Brot ausgegangen ist. Dem Gefühl des Leidens verschaffte er mit der sanften Art eines John Lennon Ausdruck. Realistisch betrachtet wird es aber wieder auf etwas ganz anderes hinauslaufen. Irgendeine schrille Schrulle wird Segall schon einfallen.

Text: Thomas Weiland

Foto: Denee Petracek

Ty Segall, Festsaal Kreuzberg, Mo 6.8., 20.45 Uhr, VVK: 11,50 Euro

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