Konzerte & Party

U2 in der Mercedes Benz Arena

U2

Alben bringen sie nur noch alle Jubeljahre auf den Markt, aber trotzdem läuft die Maschinerie wie geschmiert. Die vier Shows in Berlin sind deshalb auch längst ausverkauft. Eine Überraschung ist das nicht. U2 sind zusammen mit Depeche Mode, AC/DC und Bruce Springsteen Teil des Rock-Establishments, ihre Konzerte gehen immer.
Fragt sich nur warum. Ihren letzten Richtungswechsel hat die Band 2000 mit „All That You Can‘t Leave Behind“ unternommen. Damit machte sie eine konservative Rolle rückwärts. Im Jahrzehnt zuvor war das anders, da hatten sich U2 noch den Herausforderungen der Zeit gestellt. Sie haben „Achtung Baby“ nach dem Mauerfall größtenteils in den Hansa-Studios in Berlin aufgenommen, den für ihre Verhältnisse experimentellen Nachfolger „Zooropa“ veröffentlicht und sich mit „Pop“ der damals aktuellen Dance-Music gestellt. Aber dann, als die Erfolge nicht mehr so spektakulär ausfielen, haben sie den Glauben an eine andauernde Entwicklung verloren. Sie verließen sich lieber auf das Rezept ihrer großen Zeit des Durchbruchs in den Achtzigern. Die Auseinandersetzung mit diesen Updates kann man sich aber sparen, sie reichen qualitativ nicht an „War“, „The Unforgettable Fire“ oder „The Joshua Tree“ heran. Ganz schlimm ist das, was sie sich mit „Songs Of Innocence“ geleistet haben. Früher war es so, dass sich Bürger in demokratischen Ländern aussuchen konnten, welche Musik sie hören wollen. U2 dagegen boten in diesem Fall ihre Elaborate jedem Apple-Nutzer ungefragt über das iTunes-Programm an. Bono darf hier davon berichten, wie es damals in seiner Jugend war, als er in Cedarwood Road in Dublin den Ramones zuhörte. Aber ehrlich: Will man das von einer politisch orientierten Band hören, der sich zur Zeit genügend anderer Stoff bietet?

Text: Thomas Weiland

Foto: Universal Music

U2, Mercedes Benz Arena, Mercedes Platz 1, Friedrichshain, Do 24., Fr  25., Mo 28. + Di 29.9., 19.30 Uhr, ausverkauft

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