Konzertkritik

U2 haben in Berlin zwei Konzerte gegeben

Nach ihrer letzten Tour im Jahr 2015 kehrte die irische Rockband U2 nach Berlin zurück und gab am Freitag und Sonnabend zwei Konzerte in der Mercedes-Benz-Arena. Es war der Auftakt zu der Europatour „eXPERIENCE + iNNOCENCE“

U2 Live in Berlin. Foto: Danny North

Pop und Politik. Bei wenigen Bands, die in der Liga von U2 spielen, sind politisches und gesellschaftliches Engagement und die Musik so eng verflochten wie bei den Iren. Bono debattiert schon mal mit Kanzlerin Angela Merkel über Europa und die Flüchtlingsproblematik und baut in die multimedial aufgeladenen Shows, Solidaritätsbekundungen und harsche Kritik ein. So auch bei dem ersten der beiden Konzerte in Berlin, mit denen U2 in die Neuauflage ihrer 2015er Tour startete. Diesmal betitelten die Iren das Spektakel „eXPERIENCE + iNNOCENCE Tour 2018“ und präsentierten eine Mischung aus Politik, hochaufgelösten Visuals auf High-Tech-Leinwänden und dazwischen – Musik.

Los ging es auch mit „Zooropa / The Great Dictator“, es folgten „The Blackout“, „Lights of Home“ und „Red Flag Day“. Überhaupt dominierten Titel vom 2017er Album „Songs of Experience“. Statt sich auf die alten Hits zu konzentrierten, stellten U2 das neue Material in den Mittelpunkt. Doch die überwiegend in die Jahre gekommenen Fans warteten geduldig auf die alten Hits. Naturgemäß war das zum Ende des ersten Konzertdrittels erklingende „Sunday Bloody Sunday“, während dessen auf den Videoleinwänden Bilder zur Geschichte Irlands abliefen, einer der Höhepunkte des Abends, an dem U2 mal wieder überwältigen wollten.

Die Projektionen und Lichteffekte gehören zum Erlebnis der Band nun einmal dazu. Doch immer wieder schälte Bono aus dem Bombast griffige Parolen heraus. Er will begeistern, dabei aber möglichst auch die Welt retten. Und während die Band im Hintergrund brav ihre Arbeit verrichtete, liefen Bilder von den Auswüchsen des globalen Nationalismus über die Leinwand. Kriegszerstörte Städte, rechte Aufmärsche in den USA, Ungarn oder Polen, Boote mit Flüchtlingen. So wohl soll sich das Publikum dann doch nicht fühlen, sondern im Angesicht des Pop-Erlebnisses auch mal an die düsteren Abgründe der Welt denken.

Auch die Debatte #Metoo und der Feminismus beschäftigen den Guten unter den Rockstars. So sah man hier eindrucksvolles Bildmaterial und Hashtags wie #Metoo und #Womenoftheworldtakeover in bunten Farben aufblitzen. Dass auf der Bühne einzig ältere, weiße und schwerreiche Männer standen, mag man beanstanden, aber immerhin: sie meinen es ja gut.

Wie erwartet äußerte sich Bono auch zu den jüngsten Ereignissen in Chemnitz. An den rechten Mob richtete er direkte Worte: „Solche Leute gehören nicht zu Europa und diesem Land“. Der Jubel war groß, vermutlich auch, weil die Schnittmenge zwischen U2-Fans und AfD-Fans gegen Null tendieren dürfte. So predigt Bono zu den Bekehrten, vielleicht mit der Hoffnung, diese mögen seine Botschaften in die Welt tragen. Immerhin skandierten die Fans den Chemnitz-Slogan #wirsindmehr. Dann stimmten U2 ihren großen, allesumarmenden Hit „One“ an, mit dem sie, nach dem sie noch „Love is Bigger Than Anything In Its Way“ und „There is a Light“ zu Abschied spielten, das Publikum entließen.

Ob sich Bono dann ins harte Berliner Nachtleben stürzte ist nicht bekannt, jedenfalls versagte am zweiten Konzerttag seine Stimme, wer aber soviel zu sagen hat und zwischendurch auch mal singen muss, dem sei das verziehen.

Mehr zu U2 finden Sie hier

Mehr über Cookies erfahren