Konzerte & Party

Über das Scheitern der B-Parade

B-Parade

„Berlin kann gar nichts. Keine Bundesliga. Kein Flughafen. Keine Parade“, konnte man vor wenigen Tagen auf Facebook lesen. Was Bundesliga und Flughafen betrifft, keine weiteren Fragen. Aber was hat es mit dieser Parade auf sich? Das ist schnell erklärt: Am 21. Juli sollten 450?000 Raver anreisen und auf 40 Trucks rund um die Siegessäule feiern. B-Parade sollte das ganze heißen und diese B-Parade wollte sein wie einst die Loveparade. Die benötigten rund zwei Millionen Euro habe man längst sicher, so die Investorin Dajana Graf von der Firma DD Dajana GmbH. Die Finanzierung schien organisiert. Doch jetzt wurde die B-Parade trotzdem abgesagt, klammheimlich. Und wie es dazu kam, ist weniger schnell erklärt.
Das Erste, was man sagen kann: Berlin ist ausnahmsweise einmal nicht schuld, wie es der Raver in seinem wütenden Facebook-Post annimmt. Schuld sind die Macher der B-Parade. Das, was derzeit über das Treiben der Initiatoren durchsickert, ist skurril bis chaotisch und mutet an wie das Werk von absoluten Anfängern.
Die angekündigten zwei Millionen Euro standen zu keinem Zeitpunkt zur Verfügung. Bemüht hatten sich die Betreiber: Bereits 2011 hatten sie einen Vertrag mit einer Gesellschaft namens JC Group P.O. Box 22 mit Sitz in Malaysia geschlossen. Gegen eine Provision wollte diese Gesellschaft Sponsorengeld in Höhe von 1,6 Millionen Euro auftreiben. Unterzeichnerin der Vereinbarungen soll eine gewisse Juliet Chelsea Gustin sein, eine malaysische Prinzessin. Eine Anzahlung im fünfstelligen Bereich finanzierte die B-Parade mit dem Geld, das sie von Gastronomen für Cateringrechte erhalten hatte. Mit den malaysischen Partnern sollte zudem eine AG in der Schweiz zur „Steuerung der weltweiten Paradenaktivitäten“, wie es heißt, gegründet werden. Auch Dajana Graf war einst als Caterer zur B-Pa­rade gestoßen und hatte wohl die Hoffnung, dass die versprochene Summe noch rechtzeitig eintreffen werde.
Doch nicht nur die Finanzierung lief schief, auch alles andere klappte nicht. Und das, obwohl die B-Parade GmbH sogar Event-Profis eingestellt hatte. Es wurden nicht einmal genügend Clubs und Techno-Aktivisten gefunden, die mit einem Truck teilnehmen wollten.  Ihnen war schlicht zu teuer, was die B-Parade verlangte: nämlich 16?000 bis 25?000 Euro pro Truck. Probleme gab es dann auch bei der Genehmigung, die Parade auf der Strecke des 17. Juni durchzuführen. Denn eine sechsstellige Summe konnte die GmbH – und da sind wir wieder bei der malaysischen Prinzessin – nicht auftreiben.  
Ende Mai, zwei Monate vor dem geplanten Termin, war die Stimmung im Büro der B-Parade in einem ehemaligen Friseursalon in der Nürnberger Straße auf einem Tiefpunkt angelangt: Das Team wurde nicht bezahlt und mit Versprechungen wie „Die malaysische Prinzessin ist schon in der Stadt“ hingehalten. Einige Beschäftigte kündigten mit der Begründung „Es ist mir hier einfach zu crazy“, andere verließen einfach das Büro, nachdem sie kein Geld erhalten hatten.
Ohne die Öffentlichkeit zu informieren, war eigentlich bereits Anfang Juni klar, dass es keine Parade an der Siegessäule geben wird. Aufgegeben hatten die Veranstalter dennoch nicht, noch nicht. Der Geschäftsführer Eric J. Nussbaum versuchte eine neue Location für seine Parade aufzutreiben, nämlich den Flughafen Tempelhof. Ende Juni jedoch belehrte ihn die Tempelhof Projekt GmbH, dass eine solche Veranstaltungsanfrage „typischerweise ein Jahr oder länger“ benötigt und sich auch am Leitbild der Tempelhofer Freiheit zu orientieren habe. Das bedeutete das endgültige Aus der B-Parade. Ohne Geld, ohne Trucks und ohne Location keine Parade.
Wahrscheinlich werden am Veranstaltungstag noch immer einige Hundetrt Rave-Touristen traurig an der Siegessäule stehen, weil sie die Absage nicht mitbekommen haben. Denn bis auf eine verschwurbelte Erklärung auf der Facebookseite der B-Parade meldete bisher kaum jemand das Aus des Events. Noch im Frühjahr hatte es die B-Parade bis in die „Tagesschau“ geschafft, auch viele andere Medien berichteten ausführlich. Über das jetzige Desaster hörte man bisher wenig bis gar nichts.
Wer jetzt denkt, nach diesem Desaster zögen sich die Macher verschämt zurück, der irrt. Auf ihrer Facebookseite liebäugeln sie nun mit Crowd-Finanzierung. Vielleicht im nächsten Jahr: „Wenn wirklich so viele die Parade wollen und Sponsoren sich schwertun, können viele mit ein wenig mehr erreichen als einige Große, was wäre, wenn wir das gemeinsam angehen?“, hat der Betreiber der B-Parade gepostet. Kritische Kommentare werden gelöscht, nur positive Stellungnahmen werden geduldet.

Text: Rock Davis

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