Konzerte & Party

Über die Konzertszene in Berlin

Konzert

Peter Schwenkow sitzt im Winterurlaub und ist glücklich. Es war ein gutes Jahr für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Entertainment AG: Nana Mouskouri, David Garrett – alles war ausverkauft. „Wir sind extrem zufrieden mit allen Märkten, auch in Berlin“, frohlockt Schwenkow, „2011 war ein Rekordjahr.“ Und es verspricht noch besser zu werden: Der Vorverkauf läuft gut für Peter Maffay und Co: 1,3 Millionen Konzerttickets sind bereits jetzt fürs nächste Jahr rausgegangen.
Stefan Grey sitzt in seinem Büro auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain und ist ratlos. Die experimentelle Rockband Califone aus Chicago zum Beispiel, die immerhin schon im ausverkauften Lido spielte, lockte im November gerade mal 100 Leute in den Comet Club, genau wie der Indierock von The Blood Arm im Oktober. „Ein Reinfall“, sagt Stefan Grey. „Da denkt man dann: Oh Gott, was für ein Mist.“ Seine Agentur Greyzone, die er zusammen mit Radoslaw von Bronikowski führt, hat das Konzert veranstaltet. Sie hatten das schon vorhergesehen, bewusst die kleine Location gewählt. Und trotzdem wurde es nicht mal halbvoll.
Es gibt derzeit so viele Konzerte in Berlin wie nie zuvor. Es liegt an dieser neuen Sehnsucht nach dem Live-Erlebnis. Die Zeit der Ravekultur ist vorbei. Die Jugend will wieder Handgemachtes, will das Konzert, auch wenn das sich heutzutage nur selten anders anhört als auf dem iPod.
KonzertUnd gleichzeitig ist eben das Angebot größer geworden. Da ist die viel beschworene Krise der Plattenindustrie, von CD-Verkäufen kann kein Künstler mehr leben in Zeiten von illegalen Downloads und Streaming-Angeboten im Internet. Selbst Lady Gaga hat für ihre kommende Tournee gar 450 Shows weltweit angekündigt. Andere touren bis ins hochbetagte Alter. Nicht immer geht die Rechnung auf. Als die 80s-Stars Nik Kershaw und ABC in der O2-Arena spielten, war es so leer, dass die Veranstalter die Oberränge abhängten. Die Smashing Pumpkins strichen jüngst gar vier ihrer fünf angekündigten Deutschlandkonzerte. Doch wo spielen sie nun dieses einzige Konzert? In Berlin, selbstverständlich.
Angesagte Künstler wie James Blake kommen auch schon drei Mal im Jahr in die Stadt: im April ins Berghain, im September auf das Berlin Festival, im November in den Admiralspalast. William Fitzsimmons war immerhin zwei Mal da und spielt beim zweiten Besuch kurz vor Weihnachten im Neuköllner Heimathafen gleich zwei ausverkaufte Konzerte hintereinander. Unbekanntere Bands hingegen müssen ihren Platz finden in diesem neuen Auftrittszirkus, in dem es vor allem im Herbst eng wird, wenn die meisten Alben, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, veröffentlicht werden und die Promotion-Touren losgehen. „Es ist ein saisonales Geschäft“, sagt Stefan Grey.

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Fotos: Maren Beßler / pixelio.de

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