Konzerte & Party

Über die Konzertszene in Berlin

Konzert

„Es gibt Künstler, die fallen einfach hinten runter“, sagt Christian Morin, Kurator des Musikprogramms der Volksbühne. Er ist ein großer Mann mit zerzausten Haaren und einer Stimme, die sanft klingt, wenn er nicht gerade über Phänomene wie Lana Del Rey spricht. So etwas kann ihn aufregen, sagt er. „Da gibt es doch so viel Spannenderes.“ Und dieses Spannende, das holt er schon seit über zehn Jahren auf die große Bühne am Rosa-Luxemburg-Platz, auch wenn er oftmals schon vorher weiß, dass es nicht voll werden wird. Ihn interessieren die Reibungsflächen, wenn Mayhem ihren infernalischen Death Metal auf der Theaterbühne zelebrieren oder Hans Unstern vor Kellerverlies-Deko jegliche Hörgewohnheiten wegimprovisiert: Konzerte, die nur auf einer großen Bühne gezeigt werden können. „Ein irrer Aufwand“, sagt Morin und fügt hinzu, dass sich so etwas nur ein Theater leisten kann. Die Volksbühne ist eben keine Stadthalle. „Ich sehe auch eine kulturelle Aufgabe“, sagt er, „ich will den Leuten nicht nur Künstler zeigen, die sie bereits kennen.“
Wie die Rasenden Leichenbeschauer, die Avantgardisten der osteuropäischen Psychedelic Szene. In Budapest treten die vor 2000 Leuten auf. In Berlin kamen Anfang Dezember 80 Zuschauer. Es interessierte sich kaum jemand für die „kosmologisch-musischen Exzesse“, wie es in der Konzert­ankündigung der Volksbühne hieß, für die Band, die schon Dead Kennedys Frontmann Jello Biafra auf seinem Label rausbrachte und die bereits mit Henry Rollins auf Tour war.
Morin organisiert seit über zwanzig Jahren Konzerte in Berlin. Für ihn steckt mehr hinter den leeren Rängen als nur saisonbedingte Tiefs. Er spricht dann von der „H&M-isierung der Konzertkultur“: Alle fühlen sich wahnsinnig individuell – und doch hören alle das Gleiche. Es geht darum, wie Trends entstehen, warum ein voller Raum immer noch mehr Menschen anzieht und ein leerer Raum erst mal langweilig scheint.
„Da muss man etwas dagegen setzen“, sagt Morin. Es geht ihm darum, Nischen zu erhalten. „Wenn nur noch der kommerzielle Erfolg zählt, dann ist das das Ende der Kunst.“ Darum geht es auch Stefan Grey. Und solange seine Agentur auch ausverkaufte Konzerte veranstaltet wie die von Fitzsimmons im Heimathafen, kann er wohl damit leben, dass es zu anderen Anlässen immer mal wieder nur halbvoll wird.

Text: Anne Lena Mösken

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Foto: R. Banas / pixelio.de

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