Konzerte & Party

Über die Schließung des WMF in Berlin

Das WMF in BerlinAn seinen Zwischenstationen erkennt man unschwer, dass das WMF wie kaum ein anderer Club eine nomadische Ideo­logie ausgelebt hat, deren Kern es gewesen ist, nie länger als nötig an einem Ort zu verweilen. Der Nervenkitzel des ständig Neuen sollte als treibende Kraft für die Macher des Clubs und den Erfolg funktionieren, niemals wollte man Gefahr laufen, zu stagnieren. Dabei hat es das WMF in seiner achten Ausgabe aber versäumt, die Wünsche seines Publikums in einem funktionierenden und damit rentablen Clubkonzept umzusetzen. Denn es scheint fast so, als habe ausgerechnet das immer neue WMF die Zeichen der Zeit verkannt und zu lange in einem Clubkonzept verharrt, das besser in die 90er Jahre gepasst hat.
In einem Internetforum brachte ein User diesen Umstand treffend auf den Punkt: Hätte das WMF Konfettikanonen aufgestellt und Piratenpartys veranstaltet, so heißt es dort, dann hätte es bestimmt nicht unter mangelnden Besucherzahlen zu leiden gehabt. Finanziell übernommen habe man sich, zu teure DJs gebucht, deren astronomische Gagen ein nicht mehr zu stopfendes Loch in die bereits leeren Kassen des WMF gerissen hätten. Zudem blieben gerade in schweren Zeiten, wie dem harten Winter, die regelmäßigen Clubbesucher aus. Anders als beispielsweise im Fall des Berghains habe sich der Paradigmenwechsel, auch auf Konzerte zu setzen, nicht bezahlt gemacht. Im Gegenteil, zwar wären die Leute zu den Konzerten gekommen, danach aber ebenso schnell auch wieder aus dem Club verschwunden, womit die überdimensionierten Hallen des WMF die meiste Zeit über nur halb voll blieben. Dementsprechend blieben die Einnahmen aus, woraufhin Kredite nicht abbezahlt werden konnten und der Schuldenberg zu erdrückender Größe heranwuchs.
Das WMF in BerlinIn diesem Punkt ist die offizielle Version über die Schließung plausibel, denn sollten nicht nur die Clubbetreiber, sondern auch der Vermieter selbst in finanzielle Bedrängnis geraten sein, dann war aus Sicht des Letztgenannten das bewusste Provozieren der Insolvenz der Abbey Road GmbH ein Weg, um zumindest an einen Teil der Schulden heranzukommen. Auf der Suche nach den Gründen für das Scheitern des WMF stößt man aber immer wieder auch auf Ungereimtheiten und vage Andeutungen von Personen, die vorgeben, etwas zu wissen, worüber angeblich besser geschwiegen werden sollte. Die Betreiber des WMF sind dieser Tage nicht erreichbar und lassen damit viel Freiraum für Gerüchte und falsche Schlüsse. Angesichts dieses Konglomerats aus Misswirtschaft, fehlgeleiteter Pla­nung und Insolvenz liegt der Schluss nahe, dass es in der Geschichte des WMF diesmal doch nicht frei nach den Einstürzenden Neubauten „Ende Neu“ heißt, sondern wirklich „Ende Ende“.

Text: Lucas Negroni

Fotos WMF außen: Susan Schiedlofsky

Foto unten: Svea Poetschmann/tip 

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