Alternative Rock

Ulrika Spacek in der Kantine am Berghain

In Berlin gegründet, in London DIY-Underground: Ulrika Spacek

Anya Broido

Sissy Spacek ist eine US-amerikanische Schauspielerin, die ihren Durchbruch in der Verfilmung von Steven Kings „Carrie“ hatte, aber auch schon Country-Legende Loretta Lynn verkörperte. Wer Ulrike Meinhof war, muss man hierzulande nicht erklären – auch wenn die beiden Gründungsmitglieder der Londoner Band Ulrika Spacek, Rhys Edwards und Rhys Williams, deren Geschichte offenbar reichlich fremd und faszinierend fanden. Jedenfalls haben sie sich die Namensbestandteile ihrer Band von diesen beiden Frauen ausgeliehen. Gegründet hat sich die Band 2014 in Berlin – was sie gerne betonen. Offenbar macht das etwas her in Sachen credibility. Inzwischen lebt die auf fünf Mitglieder angewachsene Combo wieder in der Heimat und ist Teil des Ost-Londoner DIY-Undergrounds, den es erstaunlicherweise auch in der durchgentrifizierten Stadt noch gibt. Die Musiker teilen Musik und Wohnraum, und machen von Produktion bis Promo alles selbst.

Der Sound ist leider nicht ganz so interessant, wie die imaginierte Schnittmenge zwischen den Namensgeberinnen vermuten lässt. Das Debüt „The Album Paranoia“ klang arg nach Indie-Schablone. Auf dem zweiten, unlängst erschienen Nachfolger „Modern English Decoration“ hört man die Vorbilder (Sonic Youth, Deerhunter, Diiv) immer noch heraus, aber zunehmend auch eine wichtige Qualität der Band: Sie versteht es, die Dinge in der Schwebe zu halten. Ihr krachiger Sound hat eine schön-verstrahlte Leichtigkeit.

Kantine am Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Do 3.8., 20.30 Uhr, VVK 14,30 €

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