Konzerte & Party

Ultraschall 2015 in Berlin

Helmut Lachenmann

„Wir sind Parasiten“, sagt Helmut Lachenmann über den Beruf des Komponisten – und meint das wörtlich. Seine „Ideen“ kämen nicht aus dem Nichts, glaubt er, geschweige denn aus dem eigenen Kopf. Sondern aus dem, was er vorfindet: „Komponieren heißt für mich nicht zusammensetzen, sondern auseinandernehmen.“ Also dekonstruieren, gegen den Strich bürsten und neu wieder zusammenfügen. Im Vorfeld seines 80. Geburtstags im November kredenzt das Festival Ultraschall einen ganzen „Tag für Helmut Lachenmann“. Mit den Streichquartetten Nr. 2 und 3 (mit dem Ensemble Quatuor Diotima) und einer doppelten Aufführung seiner „Tanzsuite mit Deutschlandlied“ und der „Schwankungen am Rand. Musik für Blech und Saiten“. Der Meister der Zikaden selbst – denn genau so klingen die meisten seiner Werke – kommt in öffentlichen Gesprächen auch persönlich zu Wort (25.1., diverse Orte).
Darüber hinaus rafft man sich bei Ultraschall in fünf Tagen zu immerhin 14 Ur- und 11 Erstaufführungen auf – zwischen Berghain, Radialsystem, Haus des Rundfunks und HAU1 und 2. Abgesehen von einem Porträtkonzert des Schweizer Komponisten Michael Pelzel posaunt man in diesem Jahr keine großen Geheimnamen als Trendsetter aus, sondern kleckst mit einer Fülle von Namen und Bezügen.
Man sucht Fühlung mit Traditionen, gerade auch im Grenzbereich zur Oper: Nikolaus Brass’ Kammermusiktheater „Sommertag“ (nach dem Stück von Jon Fosse) bietet mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart eines der renommiertesten Vokalensembles der neuen Musik. Kommt, ihr Meister der Grillen und der Zikaden!

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: 2005 Betty Freeman, Los Angeles

Ultraschall, Radialsystem, HAU, Haus des Rundfunks u.a., ?21.–25.1.

www.ultraschallberlin.de

Karten-Tel. 979 93 21 71

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