Festival

Ultraschall 2018

Unaufgeräumte Zukunft: Das Ultraschall bespaßt mit schrägen Tönen

Foto: Anna Witzel

Bei Ultraschall denken manche an erste Bilder, die sie von ihrem Kind empfangen. Dem Verfasser dieses Textes wurde durch Ultraschall einmal ein Stück abgebrochener Bohrer aus einem Zahnhals rausvibriert. Welch segensreiche Erfindung!

Auch das Festival „Ultraschall“ hat seit 20 Jahren in der ahnenden Abbildung neuer Musik Bestes geleistet – ebenso dabei, Störfaktoren aus unserer verlärmten Umwelt heilsam herauszuläutern. Die hippsten Orte von Berlin, darunter Radialsystem, Heimathafen, Berghain und Boulez-Saal, werden mit schrägen Tönen bespaßt, als seien sie für nichts anderes ersonnen worden.

In diesem Jahr widmet man sich unaufgeräumten Ensembles wie einem aus Saxophon, Posaune, Akkordeon, Klavier und zwei Violoncelli (LUX:NM, Foto, Do 18.1., 21.30 Uhr, Hei­mat­hafen Neukölln) sowie einer angepoppten Zusammensetzung aus E-Gitarre, Saxophon, Schlagzeug und Klavier (Ensemble Nikel, Sa 20.1., 15 Uhr, Radialsystem V). Bunt eben.

Bekannteste Solistin dürfte die fulminante Geigerin Carolin Widman sein (So 21.1., 14 Uhr, Pierre Boulez Saal). Höhepunkt bleibt das Eröffnungskonzert im Haus des Rundfunks: Heinz Holliger, in Berlin selten zu erlebende Alt-Legende, dirigiert beim Deutschen Symphonie-Orchester sein eigenes Violinkonzert „Hommage à Louis Soutter“ (ein Schweizer Maler der Art Brut), mit Thomas Zehetmair als Solist – sowie „Photoptosis“ zum 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann. Dessen späte Kanonisierung (vor allem in Gestalt seiner Oper „Die Soldaten“) ist das beste Beispiel dafür, was gutes Ultraschall vermag.

Haus des Rundfunks Großer Sendesaal, Masurenallee 8, Westend, Mi 17.1., 20 Uhr, Karten 18, erm. 12 €

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