Neue Musik

Ultraschall-Festival 2017

Vokal ist nicht oral – Das Ultraschall-Festival setzt diesmal auf die menschliche Stimme

Ultraschall Festival im Radialsystem Ensemble Recherche, Foto: Maurice Korb
Ultraschall Festival im Radialsystem Ensemble Recherche, Foto: Maurice Korb

„Ein Bursche, der eine Zither und eine Stimme hat, schlägt sich überall durch“, meinte Goethe, als seine Sturm-und-Drang-Phase noch anhielt. Auf heimische Zupfinstrumente wird bei der 19. Ausgabe des Neue Musik-Festivals „Ultraschall“ vermutlich verzichtet. Der menschlichen Stimme dagegen ist das Festival diesmal gewidmet. Und zwar mitsamt ihren politischen Implikationen. Die Stimme nämlich, so zitieren die Festival-Macher den großen Intellektuellen Roland Barthes, sei niemals ein „neutrales“ Instrument.
Uraufführungen von Turgut Erçetin (19.1.), José Maria Sanchez-Verdú (20.1.), Benjamin Shabey und Karin Rehnqvist (beide 21.1.) gelten der Singstimme, aber ebenso der Rezitation und der „vokalen Kammermusik“. Über „Neue Vokalpraktiken“ klärt die große „Sprech- und Gesangsschule“ von Dieter Schnebel auf (22.1., mit Gerd Wameling). Wie bei der Einschlägigkeit des Themas nicht verwunderlich, überwiegen berühmte Namen: Kagel, Birtwistle, Kurtág, Lachenmann, Haas und Rihm (21.1.). Dass ausgerechnet der Berliner Stimmen-Komponist schlechthin fehlt, Aribert Reimann, muss Ironie sein.
Auch dank Sängern wie Mojca Erdmann, Daniel Gloger (20.1.), Christoph Prégardien (21.1.) und Marisol Montalvo (22.1.) ist das Festival ungewöhnlich prominent besetzt. Zur Eröffnung im Großen Sendesaal spielt Johannes Moser die Uraufführung des neuen Cello-Konzertes von Johannes Kalitzke (DSO, mit Komponist am Pult, 18.1.). Nicht gerade oral. Aber doch irgendwie vokal.

Großer Sendesaal des RBB, Radialsystem V, Heimathafen Mi 18.1.–So 22.1., unterschiedliche Anfangszeiten, Eintritt 18/15, erm. 12/10 €

Alle Termine des Ultraschall festivals 2017 finden Sie hier

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