Konzerte & Party

Ulver in der Volksbühne

UlverSeit Jahren wächst das Interesse an extremen Spielformen des Metal, wie Death, Doom und Black, über die etablierte Fanszene hinaus. Bebrillte Elektroniktüftler und intellektuelle Hip­­s­­ter, die man sonst eher bei Vernissagen vermuten würde, strömen zuhauf in Konzerte von Darkthrone, Celtic Frost oder May­hem und mischen sich unter die langhaarigen Kuttenträger, und experimentierfreudige Drone-Bands wie Sunn O))) und OM arbeiten an einer ästhetischen Erweiterung des Genres und be­friedigen so das Bedürfnis der ambitionierten Musikfreunde nach einem radikalen Hör­er­leb­nis. Dass sich solch eine grenzgängerische Entwicklung auch andersherum vollziehen kann, also eine Band sich auch auf ihr zunehmend heterogenes Publikum zubewegt, beweist konsequent das 1993 gegründete Metal-Kollektiv Ulver (norwegisch für Wölfe). Anfangs noch der reinen Lehre des True Norwe­gian Black Metal ver­schrie­ben, modifizierten sie ihren Stil nachhaltig und tauschten allmählich irrwitziges Tempo, destruktive Aggressivität und apokalyptischen Grunzgesang gegen akustische Folklore, Indus­trial, elektronische Improvisationen und Kammermusik aus. Jшrn H. Svaeren, Multiins­tru­men­talist und zentraler Songschreiber des Trios, bezeichnet Ulver deshalb eher als einen Seelenzustand und nicht als reguläre Band. Eine Definition, die die langjährige Weigerung live zu spielen, die unübersichtliche Anzahl an Gastmusikern und Kooperationen und die sprunghaften Stilwechsel erklären dürf­te. Im letzten Jahr traten die Wölfe in Lillehamer nun doch vors Publikum und spielten vom dunklen Ambient, Jazz und Trip-Hop geprägte Kompositionen, die sich so auch auf dem bislang letzten Album „Shadows of the Sun“ (2007) finden und wohl den aktuellen Seelenzustand der Musiker ausdrücken. Ulvers dunkle Metamorphosen sind nicht beendet, die Suche geht weiter.

Text: Jacek Slaski

Ulver, Volksbühne, Mo 8.2., 20 Uhr, VVK: 18 Euro, AK: 22 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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