Konzerte & Party

Ulver im Lido

Kristoffer „Garm“ Rygg mag keine Scheuklappen. Er komponiert, arrangiert, textet, ist Chef eines Labels und schraubt als Mitglied eines Studio-Kollektivs an Tongerüsten. Viele Größen des skandinavischen Black Metal, aber auch Punkrock-Kapellen und Elektrokünstler zählten schon zu seinen Klienten. „Ich trachte danach, makellos zu sein, und das ist einzig und allein durch Offenheit möglich„, erklärte der 37-jährige Norweger vor Jahren einmal diesen Mangel an Berührungsängsten. Garms Ansatz zeigt sich nirgendwo so deutlich wie bei Ulver, jener Formation, die den Nukleus seines künstlerischen Schaffens darstellt. „Die Wölfe“, so die Übersetzung des Bandnamens, sind in Wirklichkeit Chamäleons, die seit Anfang der Neunziger in verschiedensten Facetten schimmern. Los ging es mit sphärischem Black Metal, der über Akustikgitarren und rohes Geballer in Industrial, Trip-Hop mit Jazz-Bläsern sowie zähem Ambient mündete. Anschließend wandten sich Ulver auch noch dem Post-Rock und psychedelischem Pop zu. Was diesen größenwahnsinnig anmutenden Kosmos an Sounds verbindet, ist die dunkel-entrückte Stimmung.
Dies mag auch der Grund dafür sein, dass Ulver in ihrer auf allerlei mystischen Sagen gründenden Heimat inzwischen in hochkulturellen Kreisen angekommen sind. Sie traten bereits in der Nationalen Oper auf, und bei dem 2013er Album „Messe I.X-VI.X“, einem minimalistisch wie unheilschwanger flirrendem Werk, half ihnen das Kammerorchester Tromsш. Demnächst folgt eine Zusammenarbeit mit den Gitarrendrone-Legenden Sunn O))). Zunächst aber werde man live vor allem aber über Motive aus bekannten Stücken improvisieren. Ohne Scheuklappen natürlich.

Text: Roy Fabian

Foto: ingrid Aas

Ulver, ?Lido, Do 6.2., 21 Uhr, VVK: 21 Euro zzgl. Gebühr

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