Konzerte & Party

Underground Railroad im Festsaal Kreuzberg

Underground RailroadMan muss es sich so vorstellen wie in einem französischen Kinofilm. Die Geschichte von Underground Railroad fängt mit einer Rückblende an: Marion Andrau und JB Ganivet sind da noch Grundschüler in Paris. Während ringsum Chaos tobt, treffen sich ihre Blicke – zutiefst gelangweilt. Im nächsten Bild drischt das Duo auf ein selbst gebautes Drumkit ein und eine alte Wandergitarre. Dann ein Zeitsprung, zehn Jahre später, vielleicht in einer Bar. Wieder hat sich eine von JBs Punkkombos aufgelöst. Raphael Mura kommt dazu. Er ist Drummer und singt. Und er liebt Sonic Youth und die Pixies genauso wie JB und Andrau. Wir müssen raus aus Paris, sagt er. Für Punkrock interessiert sich ohnehin keiner, hier zieht nur Chanson français. Fünf Jahre ist das her. Heute sind Underground Railroad in London zu Hause. Dort haben sie jahrelang kleine Bühnen abgeklappert, enge Clubs mit Gitarrenwällen und Schlagzeug-Orkanen förmlich ausgegossen. Ihr Debüt-Album spielten sie in ein paar Tagen für das Björk-Label One Little Indian ein. Vor allem Gitarristin und Sängerin Marion prägt sich als intensi­ve Anführerin ein: An PJ Harvey fühlen manche sich erinnert, wenn die bleiche Dame ihre manischen Noise-Akkorde schichtet. Mit ihrem rauchigen und melodiösen Gesang denkt man gelegentlich auch an Ex-Pixie Kim Deal. Auf dem zweiten Album „Sticks and Stones“ haben Underground Railroad nun einen Teil ihrer Krach­orgien eingetauscht gegen Pop-Eingängigkeit und Chor-Harmonien; unterwegs lassen sie ihre Noise-Epen auch mal auf kleiner Flamme schmurgeln, bis sie explodieren. Im Grunde könnte Marion Andrau dazu auch auf Französisch singen. Auf Feinheiten kommt es in solchen Momenten ohnehin nicht so an.

Text: Ulrike Rechel

Underground Railroad, Festsaal Kreuzberg, Fr 30.1., 21 Uhr, VVK: 10 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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