Konzerte & Party

Uneilig von Hagen Liebing

Uneilig von Hagen Liebing

Der Graf aus Aachen ist ja nicht direkt für seine Revolverschnauze bekannt. Wenn der Sänger etwas zu sagen hat, dann gleitet dies schnell auch gerne mal ins Weihevoll-Deklamatorische ab. Und wenn der Graf (bürgerlich anonym) dann auch noch zu verkünden hat, dass er nach 15 Jahren eigentlich gar keine Lust mehr darauf hat, mit seiner Hitband Unheilig immer nur auf Tournee zu sein, im Fernsehen, im Plattenstudio und bei Gold- und Platin-Verleihungen, sondern dass er sich nun sehr viel mehr um seine kleine Familie kümmern will, dann wächst unweigerlich die Sympathie, selbst wenn man dessen sämige Grufti-Schlager doch recht schrecklich findet.
Wenn dann aber beim zweiten Hinhören zu vernehmen ist, dass die tränenreiche Abschieds­­ankündigung eigentlich nur dazu dient, ein demnächst erscheinendes neues Album („Gipfelstürmer“, Veröffentlichung noch recht­zeitig vor Weihnachten) zu bewerben und natürlich auch die sich anschließende Abschieds­tournee, die zur­zeit bis ins Jahr 2016 (!) vorgeplant ist, dann schwinden die Sympathiewerte auch gleich wieder. Anteilnahme bleibt nur für Frau, Kind und Kegel, die auf Papa vermutlich doch genauso lange warten müssen wie bereits die Enkel der Scorpions, der Band, die vor fünf Jahren auszog, um mal eben Abschied zu nehmen, und noch immer nicht auf ihrem Hannoveraner Alters­sitz eingetrudelt ist.

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