Konzerte & Party

Unknown Mortal Orchestra im Lido

Unknown Mortal Orchestra

Wo die Liebe hinfällt. Ruban Nielson ist bisher nicht als großer Romantiker aufgefallen. Die ersten beiden Alben seiner Band Unknown Mortal Orchestra waren entrückte Homerecording-Kleinode zwischen Wach- und Traumzustand, eingetaucht in sonnige Siebziger-Jahre-Psychedelia. Etwas hippiesk-verstrahlt eben. Dass sein neues Album „Multi-Love“ plötzlich intime Töne anschlägt und den Soul, der auf den Vorgängern eher als vage Idee vorbeiflimmerte, nun ernst nimmt, hat auch mit der Produktionsgeschichte der Aufnahmen zu tun. In Interviews meidet Nielson inzwischen das Thema, auch weil der Gossip um „Multi-Love“ tatsächlich viel weniger interessant ist als die Musik selbst. Er und seine Frau lebten während der Arbeit an dem Album in einer polyamorösen Beziehung mit einer anderen Person und die Aufnahmen reflektieren die emotionalen Verbindungen dieser Mйnage-а-trois auf subtile Weise. Natürlich ist „Multi-Love“ deswegen kein Soul-Album geworden, obwohl Nielsons Gesang bisweilen an Prince und sogar an Stevie Wonder erinnert. Auch Liebeslieder im eigentlichen Sinne finden sich auf der Platte nicht. Aber noch nie klang das Unknown Mortal Orchestra, das sich langsam vom Soloprojekt zur richtigen Band entwickelt, so selbstbewusst und konzentriert. Es ist sicher kein Zufall, dass die fortschrittlichste psychedelische Musik derzeit aus Neuseeland kommt. (Nielson lebt allerdings seit einer Weile in Portland). Wie sein Landsmann Kevin Parker, der kreative Kopf von Tame Impala, ist Nielson ein Studiotüftler, der bewusstseinserweiternde Effekte nicht in kosmischen Klangexzessen, sondern in den Texturen seiner Sounds sucht. Droge Musik. Live, das hat er versprochen, können er und seine Musiker sich aber immer noch in Raum und Zeit verlieren.

Text: Andreas Busche

Foto: Dusdin Condren

Unknown Mortal Orchestra, Lido, Cuvrystraße 7, Do 17.9., 20 Uhr, ausverkauft, Support: Jaakko Eino Kalevi

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