Konzerte & Party

Usher am Mittwoch in der O2-World

Usher

Den Sprung vom Kinderstar zum erwachsenen Interpreten bekommen nicht alle so leicht wie Usher Raymond IV hin. Zum ersten Mal bekam ihn das amerikanische Publikum als 13-Jährigen in der Castingshow „Star Search“ zu Gesicht. Am Fernseher saß Produzent Antonio „L.A.“ Reid, der den Jungspund sogleich förderte und ihn wenig später auf seinem Label LaFace Records debütieren ließ. Die Verbindung zwischen beiden Männern hielt über die Jahre allen Belastungen stand. Kontinuität im geschäftlichen Umfeld ist dann auch ein Grund dafür, warum sich Usher zu einem erfolgreichen Sänger der Gegenwart entwickeln konnte. Ein weiterer liegt darin, dass er sich mühelos bei Frauen einzuschmeicheln vermag. Auf seinem jüngsten Album „Versus“ überfällt er sie gleich mal mit der Zeile „There‘s too many women in here and I want to love them all“. Da ist jeder Widerstand zwecklos. Auch die geringe Neigung zu Verhaltensauffälligkeit hat Usher nicht geschadet. Er ist sozial engagiert, Anteilseigner am NBA-Team Cleveland Cavaliers und kümmert sich mit Rat, Tat und Label um die Karriere von Bubigesicht Justin Bieber. Ob der Philanthrop aber einer wird, den man mal in einem Atemzug mit den Unsterblichen des Souls nennt, muss sich noch herausstellen. Zweifel sind angebracht. Richtig nachhaltigen Eindruck hinterließ er bislang nur mit dem Album „Confessions“, das den Megahit „Yeah!“ enthält. Ushers Problem ist, dass er zu sehr mit den R&B-Trends der Zeit schwimmt. Aus unerfindlichen Gründen schreckt er davor zurück, einen eigenen Stil zu entwickeln. Dabei wäre die Gelegenheit zuletzt günstig gewesen. Er hat sich von zwei wichtigen Bezugspersonen getrennt: Von seiner Frau ließ er sich scheiden, und seine Mutter ist nicht mehr wie all die Jahre zuvor seine Managerin. In seinem jüngsten Material klingt an, dass er sich wegen vernachlässigter Vaterpflichten Vorwürfe macht. Gleichzeitig genießt er die Freiheit eines Singles, der im Club und Schlafzimmer becirct. Natürlich hält sich alles im Rahmen, er will ja nicht seinen Ruf als braver Junge aufs Spiel setzen. Er will den Leuten immer ein guter Entertainer sein.

Text: Thomas Weiland

Usher, O2 World, Mi 12.1., 20 Uhr, VVK: ab 38 Euro

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