Konzerte & Party

Vampire Weekend am 19. Februar im Astra Kulturhaus

Vampire_Weekend„Contra!“, lautet die Ansage von Skatspielern, wenn sie sicher glauben, die Runde gewinnen zu können. Es ist ein clever ausgewählter Titel für das zweite Album von Vampire Weekend. Wo sich das Jungakademiker-Quartett aus Manhattan ziemlich viel Harsches hat anhören müssen in letzter Zeit. Im Grunde ist das merkwürdig für eine Band, die auf ihrem Debüt doch nichts anderes gemacht hat, als Leichtigkeit zu versprühen – gekoppelt mit einem Bündel afrikanischer und karibischer Grooves und toller Melodien.

Wie im Vorbeischlendern wischte die Band um Sänger Ezra Koenig dabei weg, wofür New York in den Vorjahren noch stand: die coole Egalhaltung der Strokes, die edle Weltabge­wandt­heit von Interpol. Für ihren frohsinnigen, bei den musikalisch Weltreisenden Peter Gabriel und Paul Simon abgelauschten Nerdpop ernteten Vampire Weekend zwar viel Applaus, aber auch viel Häme. Was ist, bitte schön, zu halten von einer Band, die ihre ersten Gigs im Clubhaus der Columbia Elite-Uni spielt oder in ehemaligen Verbindungshäusern? Die im Internet-TV in schweren Ledermöbeln ihrer Fakultät hockt; vor hohen Bücherwänden, samt Hirschgeweih an der Wand. Dazu all die Bildungsbürgervokabeln in ihren Songs: Oxford, Darjeeling, Cape Cod. Und ir­gendwo besingt Engelsgesicht Koenig denn auch gleich seine Campus-Professorin. Dazu kommt die Verpackung, in der die Greenhorns ihren Zitatpop reichen – die wirkt wie ein Frontalangriff an Rock’n’Roll- wie Do-it-yourself-Kultur. Auf Pressefotos lächeln einen die vier an, als seien sie einem 80er-Jahre-Leitfaden für Popper entsprungen: in Bootsschuhen, um die Schultern geschlungenen Strickpullovern und Haarschnitten, die sich auch Thronfolger Prince William gut stehen lassen könnte. Nach ersten Hoheliedern in der Blogwelt ist seither das Heer der Spötter rapide angeschwollen.
Mit „Contra“ haben Vampire Weekend nun zum Gegenschlag ausgeholt. Und setzen auf den Bürgersöhnchenvorwurf noch eine Extraschippe drauf. Die Fremdwörterdichte allein im Song „Horchata“ ist beträchtlich, unterwegs singt Koenig auch mal mit Autotune-Effekt – dem Standard-Tool des hässlichen Chart-Business, somit eigentlich einem No-go; auf dem Textblatt tummeln sich College Girls neben Diplomatensöhnen und „friends with pools“. Das trotzige Insistieren aufs elitäre Image wirkt dabei wie eine Aufforderung, doch bitte ein zweites Mal hinzusehen: wo Koenigs Texte doch voller Brechungen des Klischees stecken. In seinen Storys über verlorene (Diplomaten-)­Söhne, melancholische Irakkrieger und welkende Szenetypen durchdringen sich Sehnsucht und Abgrund – und das viel deutlicher als auf dem jugendfrischen Debüt. Die schöne saubere Welt von Vampire Weekend hat in diesem Sinn viel gemeinsam mit der gestörten Bourge­oisie in den Filmen von Sofia Coppola oder Wes Anderson. Ein leiser Seufzer liegt denn auch zwischen den Takten des Titelstücks, wenn Koenig im Falsett über Schwarz-Weiß-Denken sinniert: „Never pick sides, never choose between two“, singt er zu rührigen Handtrommeln, Shakern und Violinen, um zu bekennen: „Well, I just wanted you“. Fast nebenbei liefern Vampire Weekend da ihren ersten Lovesong ab. Die Spötter haben es vielleicht überhört.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Soren Solkar


Vampire Weekend

im Astra Kulturhaus, Fr 19.2., 20 Uhr (ausverkauft)

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