Konzerte & Party

Viel Lärm um nichts?

Lärmschutz

Das Berghain ohne vibrierenden Boden? Ein Konzert von den Beatsteaks, bei dem man Handyklingeln in der Masse hört? Musik will man laut hören, um sich in ihr zu verlieren. Anwohner, die unfreiwillig dem Lärm ausgesetzt sind, oder die, die ihn als Mitarbeiter gezwungenermaßen ertragen müssen stört das natürlich. Deswegen schützt das Land Berlin sie durch Vorschriften. Jetzt soll auch das Publikum geschützt werden – vor sich selbst.

Zunächst setzt das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin dabei auf die Freiwilligkeit der Clubs und Veranstalter, den Pegler runterzuziehen. Sollte der Lärm – also die Musik – nicht leiser gemacht werden, sind aber schon Möglichkeiten vorbereitet, eine Schallpegelgrenze per Gesetz festzulegen.

Zum neuen Publikumsschutz ist eine DI-Norm erarbeitet worden, die besagt, dass es am lautesten Ort eines Clubs nicht lauter als 99 dB sein darf. In der Norm ist auch festgelegt, wie die Lautstärke technisch gemessen werden muss. Eine DI-Norm hat zwar nur empfehlenden Charakter, allerdings kann der Gesetzgeber auf sie verweisen und sie so zu geltendem Recht machen. Die Gesundheitsministerkonferenz hat bei ihrem Treffen im letzten Jahr schon festgestellt, dass die Freiwilligkeit im Publikumsschutz allein nicht ausreicht. Es sieht also so aus, als ob das Gesetz, das zu laute Musik verbietet, zwangsläufig kommen wird.Für einige Kneipenbesitzer und Kleinveranstalter könnten die dann nötigen Investitionen das Aus bedeuten.

Lärmschutz
Obwohl die DI-Norm bisher nicht gesetzlich verankert ist, kann sie schon heute in eventuellen Schadensersatzklagen berücksichtigt werden: Der Gast, der nach einem Konzert einen Hörschaden hat, kann den Veranstalter auf Schmerzensgeld verklagen. Dass die Schädigung tatsächlich von diesem einen Konzert verursacht wurde, ist zwar schwer nachzuweisen, aber nur ein Veranstalter, der sich nachweisbar an die Schallpegelgrenze hält, ist rechtlich auf der sicheren Seite.

Auch die Krankenkassen kündigen eventuelle Schadensersatzklagen an, zumindest wollen sie ihre geschädigten Kunden bei einem Verfahren unterstützen, wie Heike Weinert von der Techniker-Krankenkasse bestätigte. Markus Ossevorth von der Clubcommission begrüßt zwar eine qualitätssteigernde Lärmreduzierung, sieht darin aber nicht mehr als eine Notlösung: „Anstatt sich mit der MP3-Player-Industrie auseinanderzusetzen, greift man einfach die, die man packen kann.“

Text: Laura Ewert

Mehr über Cookies erfahren