Konzerte & Party

Viel zu aufgeregt

Hagen LiebingGroße Empörung bei den Machern der artbase2012, die eigentlich mit rund 100 Künstlern am 24. und 25. August auf der ehemaligen Abhörstation ­Teufelsberg gemeinsam mit der Clubszene ausstellen und feiern wollten.
Üblicherweise sucht man sich dafür ­eigens Brachen, um dort dann Frei­räume für Streetart zu schaffen und das öffentliche Interesse an diesen vergessenen Orten zu wecken.
Aber nun ist auf der eigens eingerichteten Website zu lesen: „Der Teufelsberg wurde von den Behörden Berlins gesperrt.“ Und dies auch zu Recht, folgt man der Schilderung des zuständigen Charlottenburg-Wilmersdorfer Stadtrats Marc Schulte.
Zunächst: Von einer abgelehnten ­Genehmigung kann keine Rede sein, denn die Veranstalter hatten ihre Veranstaltung erst gar nicht angemeldet. Dennoch prüfte der Bezirk kurzfristig die Gegebenheiten, um solch ein ­Happening möglich zu machen, kam aber zu dem Schluss, dass Trümmer der ­Alliierten-Abhör-Ruine und die dort immer noch vorhandenen gesundheitsgefährdenden Stoffe aus Zeiten des Kalten Krieges das Gelände zu einem Ort machen, der für „Besucher in großen Mengen und womöglich ­alkoholisiertem Zustand“ (Schulte) unabsehbare Gefahren birgt. Dass durchaus auch regelmäßige Führungen auf der alten Anlage stattfinden, hilft dem Anliegen der artbase-Veranstalter nicht weiter – die geschehen in einem fachlich betreuten, kleinen und deshalb auch sicheren Rahmen.
Das sollte man als Veranstalter abenteuerlicher Kunstaktionen durchaus auch mal einsehen und am Ende vielleicht sogar dankbar dafür sein, dass – wenn man es schon selbst vergessen hat – andere sich Sorgen um die Sicherheit des Publikums und auch der Künstler machen.

Foto: Harry Schnitger / tip

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