Konzerte & Party

Vier Tage lang: Worldtronics 2009 – Electronica Surprise

Detlef DiederichsenAls Detlef Diederichsen (Foto links) vor drei Jahren als Kurator ans Haus der Kulturen der Welt kam, war es dort um die Musik noch nicht allzu gut bestellt, schließlich war sein Vorgänger vornehmlich am Tanztheater in­teressiert. Der Journalist und Musiker Diederichsen initiierte denn auch umgehend das Worldtronics-Fes­tival für elek­tronische Musik, das nunmehr in seine dritte Runde geht, aber immer noch einem steten Wandel unterliegt: „Das ist ja alles Learning by Doing“, so Diederichsen, „inhaltlich haben wir diesmal das Konzept weniger sche­matisch aus­­gerichtet. Anfangs präsentierten wir ausschließlich lokale Szenen aus entlegenen Metropolen der Welt wie Karachi oder Jakarta, in denen elektronische Musik entsteht. Diesmal wählten wir auch übergreifende Themen, etwa Cum­bia, das nicht lokal einer Szene zuzuordnen ist, sondern ein tra­ditionell kolumbianischer Rhythmus ist, der in Mexiko programmiert wurde und mittlerweile von Argentinien bis Panama als eine wilde, polyrhythmische Tanzmusik in Clubs gespielt wird.“
Nun ist das Haus der Kulturen der Welt ja nicht unbedingt als Club bekannt, die vorgestellte Musik nicht zwingend tanzbar, doch das muss sie auch gar nicht sein: „Es gibt sehr viele Leute aus der Clubszene, die eine sehr enge Definition von elektronischer Musik haben, die Four to the Floor erwarten, das aber ist ausdrück­lich nicht die Definition von elektronischer Musik von Worldtronics. Die geht eher zurück auf Oskar Sala, Karlheinz Stockhausen oder Kraftwerk, und sicher gehört zu diesem Kosmos auch Ricardo Villalobos. Natürlich ist so ein Programm schwerer vermittelbar, als wenn wir hier eine reine Clubgeschichte hätten, nur die läuft ja schon jedes Wochenende im Berghain und den anderen Clubs.“
The LappetitesDie verschiedenen kulturellen Identitäten, die Woldtronics aufzeigen will, finden sich denn auch weniger in den großen clubtauglichen DJ-Sets, die international sind und wo es egal ist, ob der DJ aus Köln, Tokio oder Tel Aviv stammt und in Köln, Tokio oder Tel Aviv auflegt, sondern in den Randbereichen. Etwa bei der elek­tronischen Oper „Fathers“ der weltumspannenden Gruppe (Japan, Deutschland, England und Spanien) The Lappetites (Foto rechts) um Ant­ye Greie alias AGF. Darin setzten sich die vier Künstlerinnen mit den Lebensgeschichten ihrer Väter auseinander.
Aus für uns weit exotischeren Gegenden kommen hingegen Goodnight Electric, I-Go und Dub­youth aus Jogjakarta, die sich in Indonesien dem britischen Synthiepop der 80er Jahre verschrieben haben, und zwar bevor Acts wie La Roux das Revival in Europa angeheizt haben. Diederichsen: „Das hat schon seinen Reiz, Bands vom anderen Ende der Welt einzuladen, die fast so klingen wie die Band um die Ecke, die dann aber doch ein kleinen Dreh anders sind.“

Text: Jacek Slaski

Worldtronics 2009 – Electronica Surprise
, Haus der Kulturen der Welt, Mi 25. bis Sa 28.11., VVK: Einzelveranstaltungen 10/8 Euro, Festivalpass: 30 Euro

Weitere Informationen: www.hkw.de

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Ricardo Villalobos

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