Klavier

Víkingur Ólafsson im Pianosalon Christophori

Als Philip Glass seine Stücke noch selber spielte, konnte man oft erleben, wie schwer sie sind: Die Werke zerrannen dem Virtuosen teilweise zwischen den Fingern

Foto: Ari Magg/ DG

Am maschinenhaften Gestus, mit denen heutige Interpreten die vermeintlich leichten Werke spielen, hat das wenig geändert. Bis auf Víkingur Ólafsson. Der isländische und Teilzeit-Pankower Pianist mit der Nerd-Brille spielt Etüden und „Glassworks“ so farb- und schattierungsvoll, so abwechslungsreich und voller Temporückungen, als handele es sich um Werke aus Chopins Schublade. Plötzlich erhalten die motorischen Repetitionen dieser Minimal Music ein Gesicht, eine Handschrift und einen fast romantischen Impetus. Erstaunlich, dass darauf noch niemand gekommen war.
Ólafsson, geboren 1984 in Reykjavík, gilt als Spezialist für Zeitgenössisches. Gemeinsam mit Philip Glass trat er in Skandinavien und London auf – ebenso wie mit Björk im isländischen Fernsehen. Er fiel mit Uraufführungen von Mark-Anthony Turnage, Atli Ingólfsson und isländischen Komponisten auf; vielleicht nicht ganz freiwillig, denn für junge Musiker ist Neue Musik ein Weg, die Aufmerksamkeit zumindest eines Fachpublikums auf sich zu lenken. Auf diese Weise mag auch der Vertrag mit der Deutschen Grammophon zustande gekommen sein, wo man ihn vorerst nur in Ecken mit neuem Repertoire kehren lässt.
Immerhin, die Ergebnisse sprechen für sich, und so ist Ólafsson der jüngste Beweis dafür, dass Neue Musik begeistert wie wenig anderes, wenn man nur Interpreten hat, die glaubhaft dafür einzutreten verstehen. Dieser Glass, wenn man so kalauernd sprechen darf, ist nicht von Pappe. Endlich.

Pianosalon Christophori Fr 5.5.+Sa 6.5., 20 Uhr, Karten 20 € (incl. Drinks), evtl. Restkarten an der Abendkasse

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