Konzerte & Party

Villagers im Festsaal Kreuzberg

Villagers

Manchmal geht alles ganz schnell. So wie bei Villagers-Leader Conor O’Brien, der für die Produktion eines nahezu perfekten Albums genau einen Anlauf brauchte. Der Sänger und Songschreiber aus der irischen Hafenstadt Dъn Laoghaire versetzte einen von Bob Dylan und Paul Simon kommenden Folk-Anteil mit dramatischen Elementen aus der Film- und Orchestermusik. An Worten konnte er sich wie Morrissey ergötzen. Völlig zu Recht wurde das Debüt „Becoming A Jackal“ für wichtige Preise nominiert. Außerdem wurden Villagers so etwas wie die inoffiziellen Könige des Vorprogramms. Sie spielten vor Fleet Foxes, Elbow, Tindersticks oder Neil Young. Ein beachtlicher Start. Nur: Was macht man danach?
O’Brien hat sich für die riskante Variante entschieden. Er hat einiges geändert. Eine wichtige Rolle spielte dabei Berlin. Ein Techno-Club in unserer Stadt, um genau zu sein, den er leider nicht benennen kann (nach erneuter Anfrage bei der Plattenfirma ist man heute kein bisschen schlauer). Das Berghain war es nicht, in diesem Punkt zumindest ist er sich sicher. Auf jeden Fall kam er morgens um 6 Uhr in diesem Club an und war danach stundenlang nicht von der Tanzfläche zu kriegen, wie er sich amüsiert erinnert: „Ich war schon als Teenager ein großer Fan von elektronischer Musik, aber dann kam es so, dass ich mich mit der Zeit mehr an traditionellen Songschreibern orientierte. Durch das Erlebnis in Berlin änderte sich das wieder schlagartig. Auf einmal wollte ich nur noch Techno hören. Plastikman, Drexciya, die Pioniere aus Detroit. Aber auch neuere Sachen von Nosaj Thing oder Caribou.“ Plötzlich hatte er auch Lust, alte Gewohnheiten beim Musikmachen über den Haufen zu werfen. „Ich ließ die Gitarre stehen und versuchte, Songs mit einem analogen Synthesizer zu schreiben. Schnell entwickelten sich die ersten Soundflächen und mit ihnen nach und nach auch die Texte. Drei Monate lang nahm ich schlechten Techno auf, von dem man niemals etwas hören wird. Aber es war eine wichtige Erfahrung.“
Spuren hat der „Seitensprung“, wie O’Brien es nennt, ohne Frage hinterlassen. Das neue Villagers-Album „{Awayland}“ beginnt spartanisch mit einem Folk-Song, aber schon bald kommen elektronische Beats hinzu. Auch die Orchestermusik spielt wieder eine Rolle, ebenso der Einfluss von Piano-Balladen. O’Brien findet diese Vielfalt legitim. „Ich will mir alle Optionen offenhalten und sie nach Möglichkeit auch durchspielen. Am Ende habe ich dann hoffentlich dieses wunderbare Durcheinander vor mir, das ich den Leuten zu hören geben kann – immer in der Erwartung, dass sich ihre Horizonte dadurch etwas öffnen.“ Um dieses Ziel zu erreichen, vermeidet er jetzt eine zu direkte Anleitung. Das erste Album begann mit der Frage „Have you got just a minute, are you easily led?“. O’Brien verführte den Hörer, gab die Richtung vor. Dieses Mal muss man sich angesichts von verwirrenden Hinweisen auf die Reeperbahn, bengalische Mangrovenwälder, Neufundland, brasilianische Unabhängigkeitskämpfer und die Wirtschaftskrise einen eigenen Weg des Verständnisses bahnen. Beim Auftritt Ende Oktober im Astra hatte das Publikum erstmals Gelegenheit, sich mit all dem anzufreunden. Natürlich war es wieder einmal ein Support-Gig, in diesem Fall für Grizzly Bear. Aber das können Villagers nun langsam lassen. Sie sind für ihren eigenen großen Auftritt bereit.

Text: Thomas Weiland

Villagers, Festsaal Kreuzberg, Mi 27.2., 21 Uhr, VVK 20 Euro zzgl. Gebühr

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