Konzerte & Party

Vor ausverkauftem Haus: Anna Ternheim im Frannz

Anna TernheimVielleicht ist es etwas Besonderes im Wasser, das in den Leitungen von Stockholm fließt. Irgend eine Substanz, die weibliche Stimmen feiner und weicher macht als sonstwo. In Europa gibt es jedenfalls keine zweite Hauptstadt, die so viele eigensinnige Sängerinnen mit angenehm natürlichen Gesangsfarben hervorgebracht hat. Anna Ternheim etwa singt mit einer dunklen Note, die an ruhig gestrichene Cellosaiten erinnert. Damit hat sie es, neben Kolleginnen wie Sophie Zelmani oder Ane Brun, unter Schwedens Leading Ladys der Songwriterzunft gebracht. Seit ihrem Debütalbum vor fünf Jahren kennt es die 31-Jährige nicht anders, als in der skandinavischen Heimat hoch in Charts zu landen; bei ihren Konzerten drängeln sich Tausende. Da wirkt es fast wie eine Flucht, dass die flachsblonde Sirene vor einer Weile nach New York zog; wo sie kaum einer kennt. In Europa dagegen schienen sich Ternheims Songs zuletzt der wachsenden Größe der Konzertstätten anzugleichen. Auf „Lea­ving On A Mayday“ klingt ihr Pop-Entwurf weiter und glamouröser als sonst. Björn Yttling von Peter Bjorn And John hüllt die bedrückten Zeilen der Sängerin in opulente Klänge; Pauken, Streicher und Glockenspiel verzieren Songs über Trennungen, Herzbrüche und andere Gefühlsdesaster. Dabei kommen die sanft zerknirschten Melodien im Grunde auch gut ohne Yttlings orchestrale Kniffe aus. Folglich spielt sie Anna Ternheim derzeit als intime Akustikversionen. Die Aufmerksamkeit liegt dann stärker auf den Texten, in denen im Zweifel der Pessimismus siegt. „You see me like no one saw me before, this is what terrifies me so“, singt sie, und wieder mal klingt innere Panik wundersam beflügelnd.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Monika Manowska

Anna Ternheim
, Frannz, Di 15.9., 21 Uhr, ausverkauft

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