Konzerte & Party

The Walkabouts im Lido

The Walkabouts

Lange hatte man nichts von den Walkabouts gehört, der Band aus Seattle mit den außerordentlichen Stimmen der angenehm unprätentiösen, doch umso eindringlicheren Sängerin Carla Torgerson und des exquisiten Songwriters Chris Eckman. Mit ihrer sehr eigenen Americana-Klangmischung aus Folk, Rock, Country, dezenter Orchestralität, mit klaren Akustikgitarren, elektrischem Surf-Twang, Pedal Steel und dem stählernen Sägen verzerrter Stromgitarren, mit warmer Melancholie und elektrischem Zorn hatten sie sich seit Mitte der 80er-Jahre eine wachsende Anhängerschaft erspielt. Die war sicherlich schwer enttäuscht, als auf das Album „Acetylene“ von 2005 keine weitere Veröffentlichung mehr folgte, die Walkabouts keine Konzerte mehr gaben und sich die einzelnen Musiker anderen Dingen zuwandten. Musikalisch oder privat. Eckman lebte inzwischen in Ljubljana, Torgerson noch in Seattle.
„Nach 13 Alben dachten wir uns: Die Welt braucht kein weiteres Walk­abouts-Album mehr“, erklärt Eckman, „einfach nur so eine Platte zu machen, aus Nostalgie oder aus schierer Gewohnheit, fanden wir sinnlos. Es sei denn, wir würden es wirklich noch einmal schaffen, nicht nur ein gutes, sondern ein sehr gutes Album aufzunehmen!“ „Wir haben eine ganze Weile dazu gebraucht“, ergänzt Carla Torgerson, „aber hätten wir früher und schneller aufgenommen, wäre es sicherlich nicht so gut geworden. Wir mussten erst den richtigen Dreh finden.“
Mit „Travels In The Dustland“ ist den Walkabouts tatsächlich noch einmal eine hervorragende Platte gelungen. Ein fabelhafter Songzyklus wie eine Reise durch staubige Landschaften – äußerlich wie innerlich, geografisch wie musikalisch. Eckman erzählt, dass er beim Schreiben der Songs eine amerikanische Landschaft im Kopf hatte, überhaupt die USA. Die auslösende Idee kam ihm allerdings in Afrika, wo er mit der Tuareg-Band Tamikrest zusammenarbeitete: „Wir fuhren tagelang Tausende von Kilometern in einem Jeep. Irgendwann hatte ich fast schon Halluzinationen von der Hitze und vom Staub, da sprangen mir plötzlich diese Wörter in den Kopf: Travels in the dustland, und ich dachte, das musst du dir merken.“

Text: H.P. Daniels

The Walkabouts + Miss Kenichi, Lido, Mo 23.1., 21 Uhr, VVK: 17 Euro

Mehr über Cookies erfahren