Konzerte & Party

Wanda bei der Berlin Independent Night

Wanda

Es muss sich gut anfühlen, Teil von Wanda zu sein. Wo die Band auftritt – und im Sommer verging kaum ein Tag, an dem die Wiener nicht auf irgend einer Bühne zwischen Elbe und Alpen standen –, hinterlässt sie Euphorie. Erlebt man die Truppe um den herrlich verlotterten Frontmann Marco Michael Wanda live, kurbelt das im Zuschauerraum den alten Traum davon an, mit den besten Kumpels eine Rockband zu formieren. Ihr Debütalbum mit Hits wie „Luzia“ und „Bologna“ ist noch gut im Ohr, da liegt auch schon der Nachfolger vor. Auch auf „Bussi“ klingen Spuren von Falco bis Ton Steine Scherben an. Nicht zu vergessen italienischer Pop der Siebziger. „Liedermacher wie Lucio Battisti oder Luigi Tenco haben uns alle gleichermaßen beeinflusst und begeistert“, erzählt Keyboarder Christian Hummer im Interview, „Es sind teils Lieder aus der Kindheit, an die man sich nicht mehr erinnern konnte.“
Beide Alben gehören zusammen, entstanden im selben Zeitraum. „Für das erste Album haben wir vielleicht die poppigsten Stücke ausgewählt, was aber nicht heißt, dass es die besten waren“, fügt Bassist Reinhold Weber an. Ein Beispiel ist der Song „Gib mir alles“ mit seinem dunklen 80er-Synthpop-Einschlag: „Das war noch nicht fertig, als wir die erste Platte machten, und wir wussten nicht, was wir damit machen sollen. Also feilten wir weiter daran und als es fertig war, stand fest, dass es eine ziemlich geile Nummer ist!“
WandaAuch textlich zieht sich Vertrautes durch die neuen Songs: Worte wie „Amore“, „Schnaps“ und eine Reihe Städtenamen. „Bologna kommt wieder vor, Berlin, Rom und Wien“, sagt Hummer, „Jedes Drama braucht schließlich eine Verortung.“ Damit eine Stadt in der lyrischen Landkarte von Wanda Aufnahme findet, muss sie eine „besondere Stimmung“ haben. „Wir mögen echte Städte“, sagt Bassmann Weber, der auf der Bühne kaum einen Song ohne Fluppe im Mundwinkel zupft. „Wien ist eine echte Stadt, Berlin denken wir auch, und natürlich Bologna.“
Überhaupt Wien. Mit dem schönen regionalen Zungenschlag ihres Sängers haben Wanda die österreichische Hauptstadt zurück ins Pop-Gedächtnis gebracht. „Wien spielt natürlich eine Rolle in unseren Songs, wir kommen alle von dort oder aus der Nähe, und wir leben gern dort“, so Hummer. „Aber wir sind keine Band, die das Stadtwappen vor sich her trägt und nur im Wien-T-Shirt das Haus verlässt.“
„Bussi“ klingt nun wie das Abklingbecken nach der großen Sause – eine leichte Katerstimmung mischt sich mit Wehmut; und ob nun typisch wienerisch oder nicht, der weichere Tonfall steht der Band sehr gut. In den Texten geht es wieder über große Abstürze, herzensmäßige oder auch in der Kneipe oder beides. Nur vereinzelte Stücke entstanden während der aktuellen Ochsentour. „Wir erleben zurzeit ja nichts“, sagt Hummer lachend, „zumindest nichts, was man unter dem Begriff ‚Leben‘ subsumieren kann: Wir sitzen im Auto, spielen Konzerte, geben Interviews, und zwischendurch betreuen wir uns gegenseitig.“ Was die Band zurzeit vermisst, ist all das, was „ursprünglich zum Entstehen von Wanda als Band geführt hat. Es hat damit zu tun, tief im städtischen Leben verankert zu sein“, resümiert der Keyboarder. Nach der jetzigen Herbsttour hat sich die Band denn auch eine längere Pause verordnet. Dann ist endlich wieder Zeit da, um echtes Leben zu tanken – in einer echten Stadt.

Text: Ulrike Rechel

Fotos: Bernd Metzner

Berlin Independent Night (verschiedene Orte, verschiedene Bands), Sa 26.9., 20 Uhr, VVK: 26 Euro zzgl. Gebühr

Nähere Infos: www.facebook.com/berlinindependentnight

Mehr über Cookies erfahren